Mutterglück

13. Dezember 2011

Nun ist meine (na gut) unsere Kleine schon einen Monat alt und ich will hier auch endlich mal was dazu schreiben. Obwohl ich es echt schwierig finde, die letzten 30-32 Tage so kurz in Worte zu fassen…

Das ging ja dann doch alles ganz schön schnell. Die Fruchtblase war sechs Wochen vor dem errechneten Termin (der wäre am 22.12. gewesen) geplatzt und zwei Tage später durfte ich schon Patricia Elizabeth zur Welt bringen (also am 12.11.). Dabei hatte ich mich eigentlich auf sechs noch recht ruhige Wochen eingerichtet, in denen ich im wahrsten Sinne des Wortes noch eine ruhige Kugel hätte schieben können/wollen/sollen. Was ich nicht noch alles machen wollte. Nach einem Kinderwagen gucken zum Beispiel. Oder das Kinderbett aufbauen. Oder eine Wickelkommode kaufen. Oder eine Tasche für die Klinik packen. Statt dessen schlage ich mir nun bereits die Nächte mit dem Stillen um die Ohren und genieße die vielen schönen Augenblicke mit ihr. Den guten Ratschlag meines Doktorvaters, die 6 Wochen Mutterschutz bis zur Geburt noch zu nutzen, um ein bisschen was an meiner Doktorarbeit zu schaffen, scheint Patricia als Aufforderung verstanden zu haben, mir auch in dieser Beziehung einen Strich durch die Rechnung zu machen. Aber ich hoffe noch darauf, dass wir einen guten gemeinsamen Weg finden, wie ich mit ihr die Arbeit schreiben kann. Momentan scheint mein Tag allerdings hauptsächlich aus Stillen, Windeln wechseln, Milch abpumpen, Fläschchen auskochen und Wäsche waschen zu bestehen. Nachts versuche ich, dazwischen auch ein bisschen Schlaf abzubekommen. Wenn das nicht so gut klappt, schlafe ich auch mal beim Stillen ein, das ist so schön beruhigend ;-)

Aber auch wenn ich mich manchmal ein wenig überfordert fühle oder quasi “ausgelutscht”, weil ich mit dem Stillen kaum hinterherkomme, genieße ich die Zeit mit ihr sehr. Noch schläft sie ja sehr viel, aber selbst dann ist sie so süß, dass man sie die ganze Zeit nur knutschen könnte. Und wenn sie dann mal wach ist (und nicht gerade furchtbar hungrig) schaut sie mit ihren großen Augen um sich. Dabei könnte ich ihr stundenlang zugucken. Ihre “Aufwach-Zeremonie” ist auch zu komisch – inklusive Recken und Strecken, herzhaftem Gähnen, Stirn in Falten ziehen, Zunge rausstrecken und entsprechenden Geräuschen. Echt zum Brüllen :D Lustigerweise kann es dann auch sein, dass sie eine Sekunde später wieder ganz ruhig und entspannt schläft, als wäre nichts gewesen. Oder sie fängt an zu schreien, weil sie Hunger hat. Und das soll man (bzw. frau, also Mutter) nun am besten schon vorher erahnen. Also ich hab da noch meine Schwierigkeiten. Ich versuche deshalb, ihr jetzt schon beizubringen, dass sie einfach sagen soll “Mama Hunger” oder so etwas in der Art, dann wäre alles klar und sie könnte sich das Geschrei sparen. Kostet schließlich alles Energie, die man sich erst wieder anfuttern muss! Aber nein, sie bevorzugt immernoch das Schreien. Na mal sehen, wann ich sie soweit habe ;-)

Meine Bilanz nach dem ersten Monat könnte nun so aussehen: gefühlte 1000 gewechselte Windeln (in Wahrheit dürften es ca. 240 gewesen sein), Patricia-seitig zwei völlig nutzlose entwickelte Talente (1. sobald die Windel auf oder besser noch weg ist, pinkeln, ganz super! Und 2. sobald Mama irgendwohin gehen will, lautstark mitteilen, dass man bitte vorher noch was essen möchte, obwohl eigentlich noch mind. eine Stunde Zeit wäre), gefühlte 20 gewaschene Waschmaschinenladungen; und ich weiß nicht mehr, wann ich die letzte Nacht durchgeschlafen habe. Muss irgendwann im 4. Monat gewesen sein oder so… Aber immerhin auch ca. angefutterte 700 Gramm (also bei Patricia ;-) 500 vom Geburtsgewicht ausgehend) und vielleicht zwei Zentimeter gewachsen – die Strampler in Größe 50 passen jetzt langsam. Bei mir ca. 8 kg weniger als vor der Geburt und ordentliche Augenringe. Aber auch gaaaaaaaaanz viele Schmuseeinheiten und glückliche Momente :)
In ein paar Tagen kommt nun auch endlich der Papa. Ich bin gespannt, wie sich die beiden verstehen werden. Robert freut sich auf seinen Urlaub – ich hoffe, er braucht nach seinen zweieinhalb Wochen hier nicht erst recht welchen… Ich freue mich jedenfalls auf die Zeit zu dritt, als richtige kleine Familie. Auch wenn mir Robert das Stillen leider nicht abnehmen kann…

Auf diesem Wege möchte ich schonmal bzw. nochmal allen ganz herzlich danken, die mich sowohl während der Schwangerschaft als auch nach der Geburt unterstützt haben sowie für die vielen lieben Worte und Glückwünsche zur Geburt unserer Tochter!

Abflugbereit

7. September 2011

Nicht, dass ihr euch Sorgen macht, dass ich doch lieber hier bleibe: ich sitze bereits im Abflugbereich vom Flughafen Kigali International. Mit Soleluna-Pizza vollgefuttert, geputzten Zähnen und rausgenommenen Kontaktlinsen, sozusagen schlafbereit. Ich hoffe, der Flieger ist nicht wieder so laut. Aber der iPod ist auch aufgeladen – da steht einem Schläfchen auf dem Weg nach Addis fast nichts mehr im Wege. Falls mich das Baby schlafen lässt. Aber irgendwann gibt es normalerweise dann doch “a Ruh” ;-) Ich freu mich zwar nicht unbedingt auf zuhause, aber momentan wäre ich extrem froh, wenn ich die Fliegerei schon hinter mir hätte. Ich kann jetzt schon nicht mehr sitzen, aber viel Freiraum zum Herumlaufen gibt es hier auch nicht. Und aufs Flugfeld lassen sie mich nicht ;-) Naja, in knapp 4 Stunden Aufenthalt in Addis werd ich mich hoffentlich noch ein bisschen bewegen können. Ist schließlich meine ursprüngliche Joggingzeit so zwischen 6 und 10 Uhr morgens. In einer Stunde geht’s los…
Ich bin gespannt, was sich in dem Jahr hier tun wird, das ich voraussichtlich brauchen werde, um wieder herzukommen. Heute habe ich schon an verschiedenen Kreuzungen die neuen Ampeln gesehen, die sie auch bei uns an der Ecke aufgestellt haben und die sofort zum Verkehrschaos geführt haben. Dabei sind die total modern, mit Countdown bis zur nächsten Rot/Grünphase! Kann aber sein, dass weniger die Ampeln sondern die in der Mitte stehenden Polizisten, die dann zusätzlich zu den Ampeln den Verkehr regeln, das Problem sind. So genau konnte ich das noch nicht beobachten. Vielleicht haben sie sich ja bis nächstes Jahr an die neuen Ampeln gewöhnt ;-)
Bis bald dann wieder in/aus Berlin!

“Feldarbeit” wieder überstanden

3. September 2011

Auch wenn ich diesmal ein wenig Zweifel habe, ob hier überhaupt jemand (bis auf ein paar Ausnahmen) verfolgt, was ich diesmal in Ruanda so treibe, möchte ich diejenigen, die es interessiert, doch wenigstens darüber informieren, dass ich meine “Feldarbeit” diesmal auch wieder gut überstanden habe. Es war zwar diesmal auch wieder etwas mühsam, aber trotzdem war es recht brauchbar, was ich herausgefunden habe. Wie ich schon in der vorangegegangenen Woche mitbekommen hatte, war jetzt in der Woche eine Schulung in Muhanga (Gitarama), an der eigentlich alle Leiter der Gesundheitszentren teilnehmen sollten. Ich hatte mich schon ein bisschen gewundert, dass mir zwei Direktoren sagten “Nein, ich bin den ganzen Tag im Büro, kommen Sie einfach vorbei!” (also auf Französisch). So richtig überraschend war es deshalb nicht, dass eben diese beiden Herren dann eben nicht in ihren Gesundheitszentren anzutreffen waren, aber wir haben trotzdem jeweils jemanden gefunden, der uns ein paar Fragen beantworten konnte, so dass die Fahrt nicht umsonst war. Die “Reise” in den Süden hat sich schon allein wegen des Gesprächs gelohnt, dass ich endlich mit der Leiterin der Gesunheitsabteilung im Distrikt führen konnte. Mit der habe ich mich dann abends nach der Schulung noch in Muhanga getroffen. Vielleicht war das für mich das fruchtbarste Gespräch, weil ich mit ihr wenigstens Englisch reden konnte. Mit den anderen war es mit unserem jeweils nicht besonders guten Französisch nicht so ganz einfach. Insgesamt hatte ich bei der Heimfahrt nach Kigali dann aber das gute Gefühl, was geschafft zu haben, auch wenn ich mich jetzt nochmal ransetzen muss, um die Interviews abzutippen bzw. die wichtigsten Punkte rauszuschreiben.

In Butare hat sich übrigens einiges verändert. Viele Straßen wurden inzwischen gepflastert oder sie sind gerade dabei, das Stadium wurde abgerissen und bei der Uni stehen die neuen Studentenwohnheime jetzt schon in voller Größe, nur noch etwas Putz fehlt und ich glaube ein paar Fenster. Am Ibis (eins der Top-Hotels/-Restaurants in Butare) wird das ganze Restaurant grunderneuert wie es aussieht, was dazu geführt hat, dass ich auch mal gesehen habe, was hinten noch alles für Gebäude sind, die ich sonst nie beachtet habe…

Heute ist unser letzter gemeinsamer Abend in Kigali, den wir (ich hoffe, es bleibt dabei!) im Restaurant vom Mille Collines “zelebrieren” wollen. Morgen muss Robert nach Musanze (Ruhengeri), wo ich dann nachmittags auch hinfahren werde, um die nächsten beiden Tage dort mit ihm zu verbringen. Für morgen Abend wurde mir da schon der beste Fisch aller Zeiten versprochen. Na mal sehen :) Am Dienstag hab ich dann fast noch den ganzen Tag Zeit, mich in Kigali rumzudrücken und mich mit dem einen oder anderen noch zu treffen, da mein Flieger erst mitten in der Nacht Richtung Äthiopien abhebt. Unglaublich, dass die 6 Wochen schon wieder vorbei sind.

Achja, ich komm am Mittwoch, den 7,9. um 19.40 Uhr mit Lufthansa von Frankfurt an. Wäre schön, wenn Onki mich abholen könnte ;-) Ich ruf aber nochmal an.

Jetzt beginnt der Aktivismus!

29. August 2011

Nach einem extrem entspannten Wochenende, habe ich heute das Gefühl, voller Tatendrang zu sein. Immerhin hab ich gestern auch schon meine Karten für die für Mittwoch geplanten Treffen vorbereitet, damit ich sie heute ausdrucken lassen kann. Aber heute früh bin ich tatsächlich um 7 mit Robert aus dem Bett gesprungen (zugegebenermaßen etwas getrieben von der Angst, dass um 8 kein Wasser mehr zum Duschen da sein könnte), hab eiskalt geduscht (hatte ja auch keine Wahl) und hab gleich um halb9 das noch offene Health Centre angerufen, das ich letzte Woche nicht erreicht hab, noch die eine Karte etwas verändert (was einem nicht so unter der Dusche alles einfällt) und dann auch gleich um 9 noch in Berlin angerufen, in der Hoffnung, mir eine Wohnung zu ergattern. Bis auf die Wohnung war das also schonmal ein erfolgreicher Start in den Tag. Meine Freundin Dancille hab ich heute auch endlich mal in ihrem Büro angetroffen und was ich drucken musste, ist ausgedruckt. Und dabei ist es noch nichtmal 12 :)

Am Samstag hab ich mir mal den Pool im Serena Hotel gegönnt. Reiner Luxus sag ich euch: 20 $, um sich ein bisschen im Wasser abzukühlen. Ich war von 10 $ ausgegangen, aber nachdem ich dann die 12000 RWF (was irgendwie weniger klingt für mich) abgedrückt hatte, musste ich dann gleich noch 20 Bahnen schwimmen, damit es sich auch gelohnt hat. Immerhin ist es dort auch wirklich schön, das Wasser ist sauber (und ziemlich kalt) und der Pool im Schwimmerbereich nicht so voll. Nur dass man dann extra nach nem Handtuch fragen muss, ist typisch Ruanda (sagt Robert). Erstaunlicherweise sind dafür die Preise für das Essen total normal (4 Euro quietsch für einen Bananasplit mit drei Kugeln Eis find ich echt ok – jaaa, hab ich mir dann auch noch geleistet), wobei wiederum die Softdrinks wieder wahnsinnig teuer sind, zumindest im Vergleich zu dem was man hier sonst bezahlt. 2 Euro für ne Cola ist ja in Berlin auch normal, hier bezahlt man normalerweise was zwischen 0,60 und nem Euro. Die große Wasserflasche dann wieder nur 2,50 Euro – irgendwie komisch.

relaxen am Pool

relaxen am Pool



halsbrecherische Fensterputzaktionen konnte man da beobachten

halsbrecherische Fensterputzaktionen konnte man da beobachten

Bei meinem heutigen Tatendrang sollte ich wohl mal meine Power nutzen, um an meiner Arbeit zu schreiben – mal sehen, wie lang dann der Aktivismus noch anhält ;-)

Hach, wat bin ick stolz uff mir!

26. August 2011

Ich hab mich tatsächlich endlich aufgerafft und mich um meine ausstehenden Gespräche gekümmert. Dazu hab ich gestern schon richtig gut gearbeitet (also für meine hiesigen Verhältnisse jedenfalls) und hab mich nun heute früh auch endlich durchgerungen, ein paar Leute anzurufen, um sie mit meinem schlechten Französisch zu belästigen, und um Termine zu bitten. Und dann gleich die erste noch mit einer sauschlechten Verbindung. Als wäre französisch alleine nicht schon schwer genug zu verstehen… Was für eine Qual! Aber immerhin hab ich schon zwei von vieren erreicht und was abgemacht und fühl mich jetzt richtig gut. Wobei ich dann wahrscheinlich so richtig erleichtert bin, wenn der Mittwoch (wo ich die Leute treffe) vorbei ist und ich ein paar gute Antworten bekommen habe.
Hier ist es ganz schön heiß in den letzten Tagen und wie es aussieht auch heute wieder, auch wenn ich noch nicht draußen war. Vorgestern hatte ich deshalb fast keine andere Wahl als nachmittags zum Pool ins Novotel zu fahren und ein bisschen schwimmen zu gehen. Komischerweise ist es dann aber gleich wieder frisch, wenn die Sonne hinter den Bäumen verschwindet. Aber wie ich höre, können wir heute gemeinsam schwitzen. Ich versuch dann, noch ein bisschen Sommer mitzubringen, wenn ich nach hause komme.
Meine Lieben, die letzten 10 Tage brechen schon wieder an *heul*. Braucht ihr noch was von hier? Care-Pakete aus Ruanda? Kaffee, Tee, Pilipili (als Pulver, Schoten, Öl), Schmuck, Stoff, sonstige Kunstgegenstände? Dann könnte ich das nämlich jetzt schon besorgen, bevor die letzte Woche wieder stressig wird, wie immer. Eigentlich hatten Robert und ich sogar überlegt, noch zwei Tage nach Uganda zu fahren, aber da wir jetzt an seinen freien Tagen kein Auto haben, weil es vermietet ist, hat sich das erledigt. Ich muss fast sagen zum Glück, weil es so vielleicht nicht ganz so stressig wird die letzten Tage…

Ausflug nach Butare

23. August 2011

Heute habe ich wieder eine super Möglichkeit gefunden, mich stundenlang selbst von der Arbeit abzuhalten: mit dem Bus nach Butare fahren! Grundsätzlich war der Gedanke eigentlich schon der Arbeit förderlich. Gestern hätte ich dort nämlich einen Termin gehabt, den ich aber leider auf heute verschieben musste. Was ich nämlich nicht wusste, als ich gestern in die Stadt zum Busbahnhof trottete (eigentlich schleppte ich mich eher), war, dass gestern die Schule wieder angefangen hat und deshalb alle Busse wieder mal ausgebucht waren. Wenn ich das gewusst hätte, hätte ich mir schon am Samstag ein Ticket besorgt, aber so stand ich ohne da und hätte erst am Nachmittag ein Plätzchen ergattern können, was mir dann aber zu spät geworden wäre, selbst wenn ich meinen Termin auf später hätte verschieben können. Die eigentlich ganz nette Dame in Butare sagte jedenfalls, ich könne mich ja heute melden, wenn ich in Butare bin und dann gucken wir, wie sie Zeit hat. Dummerweise ist sie aber heute weder ans Telefon gegangen, noch hat sie auf meine SMS oder E-Mails reagiert, was ich für eine Frau an ihrer Position schon echt befremdlich finde. Immerhin konnte ich schonmal wichtige Kopien für ein anderes Projekt einsacken, mich mal wieder im CGIS blicken lassen, wo sich meine ehemaligen Kollegen sehr gefreut haben, mich zu sehen, ein paar Schritte durch mein altes Viertel gehen, wo sich einiges verändert hat und die Busfahrt nach Butare und zurück mehr oder weniger genießen. Der Genuss hielt sich in sofern etwas in Grenzen, dass ich auf dem Hinweg neben einer jungen Mutter mit ihren zwei (ich schätze) Töchtern saß, was ja ansich kein Problem ist. Mein erstes Problem war aber, dass sie natürlich zu dritt nur einen Platz hatten und entsprechend eines der Kinder immer halb auf meinem Schoß saß oder das kleinere die Füße an meinem Bauch, was ich nicht so toll fand und mich auch dagegen wehrte. Mein Bauch ist nur für mein Kind da! ;-) Mein zweites Problem war, dass ich momentan extrem geruchsempfindlich bin und diese junge Dame scheinbar mindestens diesen Morgen (wenn nicht schon ein paar weitere zuvor) einen großen Bogen um einen Spritzer Wasser und etwas Seife gemacht haben musste. Dazu kam dann noch, dass ich ständig Angst um ihre Kinder hatte, weil ich das Gefühl hatte, sie döste so vor sich hin, während ihre Kinder mehr oder weniger auf ihrem Schoß rumturnten und bei der nächsten Vollbremsung durch den ganzen Bus geflogen wären. Also eine eher anstrengende Fahrt. Dafür hatte ich wenigstens einen einigermaßen bequemen Sitzplatz. Davon konnte ich auf der Rückfahrt leider nicht sprechen. Da bin ich nämlich gerade so auf den letzten Drücker noch in den Bus nach Kigali gesprungen, der schon entsprechend voll, wenn auch nicht ausgebucht, war, so dass ich nur einen Klappsitz abbgekommen habe. Und da sitzt man entsprechend unbequem. Außerdem meinte der Beifahrer in der ersten Reihe, das Radio nach jeder Kurve noch etwas lauter drehen zu müssen. Ich habe mich die ganze Zeit nur gefragt, wie die anderen das aushalten. Ich hatte wenigstens noch meinen iPod, dessen Ohrstöpsel meine Ohren in dem Fall wahrscheinlich noch geschützt haben. Meine Musik hab ich jedenfalls nicht so laut gestellt, dass sie das Radio völlig übertönt hätte. Dabei sind die Ruander sonst so ein leises Volk finde ich. Aber wenn es um das Aufdrehen von Radios geht, kennen Sie kein Erbarmen. Da ist nichtmal Robert eine Ausnahme, von dem ich am Sonntag auch recht unliebsam mit dem Radio geweckt wurde. Wobei ich mir aber nicht sicher bin, ob die Lautstärke in dem Fall Absicht war.
Nun gut. Jetzt hoffe ich mal darauf, noch einen neuen Termin in Butare zu bekommen und auf einen Geistesblitz, was ich in den Gesundheitszentren für schlaue Fragen stellen könnte, die mich irgendwie weiter bringen.
Ach ja, ein Highlight hat den heutigen Tag gerettet: ich hab die Zusage vom Statistikamt bekommen, nächste Woche Koordinaten mit detailierten Informationen zu bekommen, von denen ich gar nicht zu träumen gewagt hatte ;-)

Mein Traummann :)

19. August 2011

Robert hat sich mal wieder als echter Glücksgriff bewiesen :) Ich wusste ja eh immer schon, dass er der Beste ist, den Frau bekommen kann (tja, sorry, Mädels). Diese Woche hat er nicht nur seine Kochkünste erneut unter Beweis gestellt, sondern heute auch wie ein Weltmeister unsere Wäsche gemacht! Dass er dabei das ganze Bad unter Wasser gesetzt hat, sei mal dahingestellt. Dafür putzt er es dann morgen auch gleich hat er gesagt, wenn er die Bettwäsche auch noch gewaschen hat. Weil ich ja in der Zwischenzeit schlecht einfach auf der Couch oder im Bett rumlümmeln kann, hab ich das Schlafzimmer geputzt, was auch nicht so ganz ohne war. Es ist unglaublich, wie schnell sich hier immer der Staub überall breit macht. Aber im Grunde ist es wahrscheinlich nicht viel schlimmer als in Berlin. Bloß dass ich in Berlin halt nicht soviel zu hause bin und es mir deshalb nicht so schnell auffällt. Nachmittags konnte ich mich dann auch noch nützlich machen: Glücklicherweise hatten wir die meiste Zeit echtes Wäschewetter heute, so dass der Großteil der Wäsche schon trocken und abgenommen war, als es anfing zu regnen. Aber da Robert gerade unter der Dusche stand, als es dann soweit war, bin ich schnell losgespurtet, um die restlichen Sachen reinzuholen. Perfekte Arbeitsteilung sozusagen. Dank des großen Waschdranges meines Mannes sieht es so aus, als würde ich die nächsten Tage mit Bügeln verbringen. Aber das lässt sich zum Glück ja besser einteilen als Wäschewaschen und mach ich ja auch ganz gerne.

Robert beim Waschen

Robert beim Waschen

Abenteuer Ultraschall-Untersuchung

17. August 2011

Ich glaube, inzwischen hat es meine werte Leserschaft dann doch überwiegend mitbekommen, dass “wir” schwanger sind ;-)

Da ich ja nun 6 Wochen hier in Ruanda verweile, hatte mich meine Frauenärztin gebeten, hier zum Ultraschall zu gehen. Eigentlich hätte es besser ein Organ-Ultraschall sein sollen, wo alle wichtigen Organe vermessen werden und noch ein paar andere Dinge, aber darauf konnte ich dann doch nicht bestehen. Immerhin haben wir es nach drei Stunden Wartezeit zur Gynäkologin geschafft, die zum Glück Englisch sprach und immerhin eine recht gründliche “normale” Ultraschall-Untersuchung gemacht hat, bei der alles normal aussah. Alle vier Herzkammern waren zu sehen und haben ordentlich gepumpt, die eine Hand (ich glaube, es war die linke) hatte zumindest fünf Finger (die andere kam nicht so recht ins Bild) und alle Maße, die sie genommen hat, waren genau der Schwangerschaftswoche entsprechend. Wahnsinn, wie groß es jetzt schon ist. Und es sah wieder so aus, als würde es winken :) Robert fand es……, so richtig kann er gar nicht sagen, wie er das fand. Er meinte, dass es irgendwie komisch war, das Baby zu sehen, so real. Leider haben wir nicht soviele süße Fotos bekommen wie sonst immer von meiner Frauenärztin, aber es ist schön zu wissen, dass alles in Ordnung ist.

Zur Gynäkologin zu kommen, war aber schon ein Abenteuer für sich, weil die Damen an der Rezeption nicht so gut Englisch sprachen wie gehofft, und Robert ihnen natürlich auch nicht erklären konnte, was ich will. Jedenfalls haben sie mich nach meinem Namen und dem Geburtstag des Kindes gefragt und mich in die Pädiatrie geschickt. Das kam mir ja schon ein bisschen komisch vor, stellte sich dann auch als falsch heraus. Offenbar hatten die Damen verstanden, dass ich ein Ultraschall bei meinem bereits geborenen Kind machen lassen will. Dass ich ein Geburtsdatum angegeben habe, das noch gar nicht war, scheint ihnen dabei nicht aufgefallen zu sein. Immerhin haben sie es dann beim zweiten Anlauf offenbar verstanden und mich in die Gynäkologie geschickt. Bloß mit dem Rechnen scheint das auch nicht so leicht zu sein. Da ich für die Pädiatrie bereits 5500 RWF bezahlt hatte und für die Gyn nun 18500 bezahlen sollte (gut 20 Euro, geht also noch) sind das nach meinen Berechnungen noch 13000, die ich hätte zahlen müssen. Ich hab ihr 15000 gegeben, sie gibt mir 3000 zurück. In dem Moment hab ich nicht so richtig nachgerechnet und es einfach eingesteckt. Die “Einweisefrau” kam dann späer nochmal zu mir ins Wartezimmer und meinte, sie hätten mir 2000 zuviel zurückgegeben. Hm, nach meinen Berechnungen hab ich jetzt 19500 bezahlt, aber ist ja auch egal, da bin ich ja gar nicht so ;-) Die “Einweisefrau” tat mir schon ganz schön leid. Sie hat krampfhaft versucht, Ordnung zu halten, indem sie neu ankommende Frauen in eine bestimmte Reihe gesetzt, diese dann an den richtigen Schalter weitergeleitet und ggf. in die richtige Station geschickt hat. Aber trotzdem standen wir dann zu dritt vor dem Schalter, also funktionierte das nicht so 100%ig. Da weiß ich es erst wieder richtig zu schätzen, dass ich bei meiner Ärztin einen Termin machen kann und dann nur etwa 10 Minuten warten muss. Da waren Frauen dabei, die schon wesentlich “schwangerer” waren als ich und ich fand es schon ätzend genug, dort zu sitzen und zu warten. Ich bin immerhin nach einer Stunde noch in die Botschaft gefahren, um mich um Roberts nächstes Visum zu kümmern und als wir nach einer Stunde wiederkamen mussten wir immernoch eine weitere Stunde warten. Aber drei Stunden dort zu hocken – da gibt es schöneres. Und nichtmal Klatsch- und Tratsch-Zeitschriften gibt es dort ;-)

Mit Roberts Visum für seine Besuche im Dezember und nächstes Jahr scheint es kein Problem zu geben. Ich geh morgen nochmal zur Botschaft und kann bereits die Verpflichtungserklärung für ihn abgeben, dann muss ich das in Berlin nicht mehr machen. Und er bekommt dann ein Jahresvisum :) So gesehen war das schonmal ein erfolgreicher Tag für uns.

kleines Update

16. August 2011

Entschuldigt bitte meine Schweigsamkeit dieser Tage, aber es passiert auch wirklich nicht viel. Immerhin hab ich es letzte Woche dann doch noch geschafft, meine 300 Seiten auszudrucken und binden zu lassen und sie kurz vor Feierabend im Büro des Ethik-Komitees abzugeben. *ganzstolzaufmichseiundaufdieschulterklopf* Für morgen habe ich nun auch einen Termin in der Deutschen Botschaft, um mit ihnen ein paar Fragen zu Roberts Visum zu diskutieren, dann wäre das auch schonmal erledigt. Wahrscheinlich sollte ich mir diese Fragen gleich noch aufschreiben, sonst sitze ich morgen da und weiß keine mehr, wie ich mich kenne…

Die letzten beiden Abende haben Robert und ich uns im Kochen überboten. Wobei ich gestehen muss, dass Robert gewonnen hat. Er hat ein ugandisches Gericht gekocht, dass er selbst seit sieben Jahren nicht mehr gemacht hat und war selbst gespannt, ob er es noch hinbekommt. Dafür waren wir nachmittags noch auf dem Markt und haben frisches Gemüse eingekauft. Was für ein Treiben! Während bei uns nachmittags um 4 nix mehr auf dem Markt zu holen ist, war hier noch alles voll mit Obst, Gemüse und Menschen (nein, die waren nicht zum Verkauf da). Dank Roberts früheren Lebens als “Village boy” haben wir wirklich gute Qualität bekommen, muss ich sagen. Der braucht eine Avocado nur anzugucken und weiß, dass sie gut ist. Als wir diese heute zu den Resten des gestrigen Schmauses zum Mittagessen gegessen haben, habe ich wirklich gestaunt, dass Avocado eben doch nicht gleich Avocado ist. Genauso war der Weißkohl echt super frisch. Und so lecker zubereitet! Die Kohl-Pfanne hätte mir eigentlich schon gereicht als Essen, aber dazu gab es dann noch Huhn mit Kartoffeln und Kochbananen, grüner Paprika, Tomaten, Zwiebeln und das ganze abgeschmeckt mit Curry und Chicken Masala und noch Reis extra. Echt super! Bloß dass wir beide gestern abend auf der Couch lagen und uns die Bäuchen gehalten haben. Selbst ohne Babybauch hätte ich wahrscheinlich gestern abend etwas runder als normal ausgesehen ;-) Jedenfalls hat Robert soviel gekocht, dass es auch noch für die beiden Jungs, die sich immer ums Auto kümmern, gereicht hat, die sogar auch noch jeder ein Stück Kuchen abbekommen haben. Für die war das wahrscheinlich wie Weihnachten, Ostern und sämtliche andere Feiertage zusammen…

Le Chef persönlich

Le Chef persönlich


fast fertige Kohlpfanne

fast fertige Kohlpfanne


ugandisches Festessen: so sieht das dann auf dem Teller aus

ugandisches Festessen: so sieht das dann auf dem Teller aus

Leider lässt meine Motivation, mich um meine Doktorarbeit zu kümmern, stark zu wünschen übrig. Gestern hatte ich zwischendurch mal ein extrem schlechtes Gewissen, was mich dann dazu angetrieben hat, mich weiter mit meiner Literatur zu beschäftigen, aber so richtig voran komme ich damit auch nicht. Ich hatte eigentlich gehofft, dass ich hier etwas motivierter an die Sache rangehen würde, aber wahrscheinlich kommt dieser Motivationsschub wieder erst auf den letzten Drücker. Wie üblich…

Frustrationsgrenze = extrem niedrig

12. August 2011

Puh, ich weiß nicht, ob das an der Schwangerschaft liegt oder an mir im allgemeinen, aber ich muss feststellen, dass ich dieses mal extrem schnell genervt bin von allem, was nicht nach meinen Wünschen läuft. Gerade haben sie 45 Minuten gebraucht, um 11 Seiten zu drucken – von ca. 300 die ich hätte haben wollen. Ich habs dann bleiben lassen und geh später nochmal woanders hin. Grummel. Dabei wollte ich heute meine Unterlagen abgeben, um die Verlängerung meiner Forschungsgenehmigung zu beantragen.
Ich musste dann aber auch wieder heim, weil der Techniker gerade versucht, unseren Fernseher zu reparieren, der Vorgestern den Geist aufgegen hat. Das hatte sich schon angekündigt und Robert hat auch schon einen neuen schicken Flachbildschirm bestellt. Aber bis dahin sollte der eigentlich noch seinen Dienst bei uns tun und dann an Amri, Roberts Freund, vererbt werden. Na mal sehen, ob er den wieder hinbekommt. Robert musste jedenfalls zur Arbeit, so dass ich jetzt das Haus hüten darf ;-)