Was mach ich denn jetzt mit der ganzen Freizeit?! :-)

Einige von euch werden sich fragen, was ich denn jetzt eigentlich mit meiner ganzen Freizeit anfange, wo ich nun mit der Schreiberei fertig bin. Die Frage ist nicht ganz unberechtigt, wenn ich sie auch nur zum Teil beantworten kann. Komischerweise vergeht so ein Tag echt schnell, auch wenn man eigentlich gar nix zu tun hat.

Meine neue Lieblingsbeschäftigung ist allerdings, zu Fuß meine Einkäufe zu erledigen. So bekomme ich die Stadt aus einem etwas anderen Blickwinkel zu sehen, ich bewege mich und gleichzeitig spare ich mir das Geld für das Taxi. Komischerweise habe ich trotzdem nicht das Gefühl, dass ich irgendwie mehr Geld zur Verfügung hätte. Schade eigentlich. Von dem gesparten Geld hätte ich mir locker schon die schönen Schuhe kaufen, können, die ich vor ein paar Wochen mit Patricia zusammen entdeckt hatte. Aber wahrscheinlich gibt es die jetzt eh schon wieder nicht mehr… Jedenfalls habe ich vorgestern mal die Gelegenheit genutzt, ein paar Fotos für euch zu machen. Mein Weg führte mich von Kimihurura, wo Patricias Kindergarten ist, durch Kiyovu zum Stadtzentrum, wo ich ein paar Kleinigkeiten eingekauft habe und dann mal wieder in die Postbox geguckt habe, um festzustellen, dass das Päckchen, das meine liebe Schwester vor über zwei Wochen losgeschickt hat, immernoch nicht da ist.

Kacyiru

Blick von Kiyovu auf Kacyiru. In der Mitte das höchste Gebäude ist das Ministerium für Infrastruktur, links davon die amerikanische Botschaft, rechts davon das Ministerium für Bildung und das Direktorat für Migration. Hinter der Botschaft, auf der anderen Seite vom Hügel, wohnen wir ungefähr.

Wenn man in die Innenstadt kommt, glaubt man kaum, dass man in einem Entwicklungsland ist. Na gut, wenn man sich die Sicherheitsbestimmungen auf den Baustellen so anguckt, gibt es da sicherlich noch Verbesserungspotential… Man kann den Leuten, die da oben arbeiten müssen nur wünschen, dass die Fahrstühle auch zuverlässig arbeiten ;-) Im Vergleich zu 2007/2008 hat sich die Innenstadt ganz schön stark verändert muss ich sagen. Leider habe ich keine Vergleichsfotos :-(

Wolkenkratzer im Stadtzentrum

Wolkenkratzer im Stadtzentrum

Den Anblick über den Springbrunnen am Haupt-Kreisverkehr auf das Stadtzentrum finde ich immer wieder hübsch.

Kigali City Center

Kigali City Center

Von der Post bin ich dann durch Muhima und durch ein Viertel, von dem ich den Namen immer vergesse (kurz vor Gisozi). Da hab ich diese hübsche Wäsche“leine“ gesehen. Die Gitarrren haben mich ja auch sehr gereizt, aber ich fürchte, mit meinen immernoch sehr dürftigen Kinyarwanda-Kenntnissen, brauche ich da nicht klopfen und nach einer Gitarre fragen. Aber irgendwann muss ich da mal mit Robert hin, glaube ich.

Wäschezaun

Wäschezaun

Das Treiben an der Abzweigung Richtung Gisozi wäre definitiv eine Aufnahme wert, aber leider habe ich noch keine gute Position gefunden, um ein Bild zu machen. Da macht die Straße nämlich leider eine sehr ausgiebige Kurve, so dass man von den höheren Stellen die Abzweigung nicht mehr sehen kann. Echt schade. Das ist auch eine beliebte Stelle für Staus ;-) Wer sich die ganze Strecke mal in GoogleEarth angucken möchte, kann sich hier die kml-Datei runterladen :-)

Und als wäre ich noch nicht genug gelaufen, bin ich dann nachmittags auch noch ins Stadion gefahren, um mich ENDLICH für den Halbmarathon anzumelden. Hatte ja schließlich noch 24 Stunden Zeit, ähem… Eigentlich wollte ich mich die ganze Zeit schon online anmelden, aber dann war ich letzte Woche wieder erkältet und immernoch unsicher, ob ich denn überhaupt laufen könnte. Aber nun bin ich wieder fit und werde es einfach mal probieren. Da mich der Busfahrer aber am falschen Eingang rausgelassen hat, musste ich einmal um das halbe Stadion laufen, um zum Haupteingang zu kommen, und dann innerhalb des Zauns wieder halb rum, um zu dem Büro zu kommen, wo man sich registrieren konnte. Der Sicherheitsmensch am Eingang hatte noch was von „Petit stade“ gesagt, aber damit konnte ich nichts anfangen. Bis ich zu dem besagten Büro kam, wo ein freundlicher Mensch auf mich wartete, um mich eben zu jedem „petit stade“ zu bringen: ein kleines „Stadion“, ich schätze mal in der Größe eines Tennisplatzes mit Zuschauertribünen drum rum. Jedenfalls durfte ich mich da nun endlich registrieren. Aber natürlich musste ich dann gestern nochmal wiederkommen, um meine Startnummer abzuholen. Wäre ja auch zu einfach, das an einem Tag erledigen zu können. Jedenfalls bin ich dann da gestern nochmal mit dem Bus hin und dann aber zurück gelaufen. Da konnte ich gleich einen Teil der Strecke, die mich am Sonntag erwartet, abgehen. Etwa zwei Drittel der kompletten Strecke bin ich vor drei Wochen auch schonmal gelaufen. Und die letzten fünf Kilometer wird es wieder die gleiche Strecke sein wie im letzten Jahr beim Run for Fun. Ich hoffe, dass es ein paar mehr Zuschauer geben wird als im letzten Jahr.

Das Stadion: vor dem Sturm

Das Stadion: vor dem Sturm

meine Startnummer für den Halbmarathon

meine Startnummer für den Halbmarathon

Hier ist eine Karte von der Strecke, die mich erwartet (zu finden auch auf www.kigalimarathon.org):

(Halb-)Marathon Strecke

(Halb-)Marathon Strecke

Um 7:30 Uhr soll es losgehen. Also wer mich anfeuern will (in echt oder im Geiste) darf mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von etwa 9 km/h rechnen bzw. etwa 7 Minuten pro Kilometer, so dass ich z.B. gegen 8:20 Uhr am Aberdeen House sein müsste und gegen 9 Uhr am Umubano und dann hoffentlich allerspätestens um 10 im Ziel. Und dann darf ich wahrscheinlich wieder nach hause laufen, weil die Straßen noch so lange gesperrt sein werden, bis der Marathon abgeschlossen ist. Großartig… Und ich glaube, dann hab ich mir ein ordentliches Steak mit Pommes verdient :-).

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Was zum Schmunzeln

Ich habe gerade mal einen Blick auf die Statistik dieser Webseite geworfen. Während ich mich ja einigermaßen über die Besucherzahlen gefreut habe (über 30.000 im letzten Jahr), war ich dann etwas enttäuscht zu sehen, dass die meisten (fast 90%) weniger als 30 Sekunden verweilen. Das liegt wahrscheinlich hauptsächlich daran, dass viele Besucher über eine Suchseite zu mir kommen und zwar mit teilweise echt interessanten bis witzigen Suchausdrücken (aber offensichtlich nicht die Information finden, die sie gesucht haben). Hier die Top 10:

Die Top 10 der 437 verschiedenen Suchausdrücke Häufigkeit Prozent
gebrochener zeh 72 7.7 %
willkommen 70 7.5 %
silvesteressen 46 4.9 %
verbrannter kuchen 39 4.1 %
nicole in ruanda 21 2.2 %
wie sieht es aus wenn der erste zahn kommt 7 0.7 %
bierdurst 7 0.7 %
taufgeschenke 6 0.6 %
mond hinter wolken 6 0.6 %
wassermelone pflanze 6 0.6 %
Weitere Suchausdrücke 653 69.9 %

 

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Loblied einer stolzen Mutter

Patricia kann mich ja schon manchmal ordentlich auf die Palme treiben, aber gerade in den letzten Wochen bin ich schon auch oft sehr stolz auf sie, deshalb muss ich sie heute mal ein bisschen loben ;-)

Wir hatten letzte Woche im Kindergarten ein Entwicklungsgespräch mit Patricias Erzieherin. Während in Deutschland dabei ja auch viel darauf eingegangen wird, ob sich das Kind altersgerecht entwickelt, ging es hier mehr um ihr Betragen und ihre Mitarbeit. Mein Eindruck als äußerst subjektive Mutter ist, dass sie sich ihrem Alter entsprechend entwickelt ;-) Die Erzieherin hat sie in den höchsten Tönen gelobt: Sie ist sehr intelligent (von wem sie das wohl hat?  :wink: ), arbeitet fleißig mit, lernt schnell, verhält sich ihren Kameraden gegenüber immer freundlich und ist insgesamt ein sehr liebes Mädchen. Hin und  wieder bringt sie ein bisschen was mit nach hause, was sie im Kindergarten gemalt haben. Sie lernen jetzt schon die Formen, Buchstaben und Zahlen und dazu passend wird meist etwas gemalt. Mit den Buchstaben lernt sie dann auch immer neue französische Wörter, die ich zum Teil dann erstmal nachschlagen muss, weil ich sie entweder nicht weiß und Patricia das Wort dann auch nicht einfällt oder sie es so ausspricht, dass ich es nicht wiedererkenne. Wird schon noch werden :wink:.

Kindergartenkreationen

Kindergartenkreationen

Bisher hatte ich das Gefühl, dass sie in der sprachlichen Entwicklung etwas hinterherhinkt. Aber dafür klappt es jetzt immer besser mit dem Hin- und Herwechseln zwischen den Sprachen. Zuerst hält sie mir den Löffel hin und sagt „das ist heiß!“, dann dreht sie sich zu Papa und sagt „That’s hot!“, voll drollig. Das Abzählen macht sie jetzt ganz oft von ganz alleine, je nachdem, woran sie gerade denkt auf deutsch, englisch oder französisch. Und während sie vor einer Weile nur wahllos in der Gegend rumgezeigt und gezählt hat, zählt sie jetzt die Dinge richtig ab (bis 14), sehr faszinierend. Der Papa findet auch, dass ihr Englisch immer besser wird und oft erzählt er mir, wie redselig sie auf dem Weg in den Kindergarten war, oder wenn er sie abgeholt hat. Sie erzählt jetzt schon längere Passagen von Dingen, die sie erlebt hat (in deutsch oder englisch, je nach Publikum), wobei ich es faszinierend finde, was sie für wichtig empfindet, oder wie sie die Dinge verknüpft. Als sie gestern unserem Freund Isaac erzählt hat, dass wir im Kino bei den Pinguinen waren, wurde gleich im zweiten Satz erwähnt, dass Mama Wasser und Patricia Fanta getrunken hat. Und dass es Popcorn gab :lol: Wenn ich sie aus dem Kindergarten abhole und sie frage, was sie gemacht haben, wird als erstes erzählt, was es zu essen gab. Manchmal auch, dass sie getanzt haben, oder gemalt. Aber meistens, dass es Kartoffeln gab und Gemüse. Interessanterweise ist sie Fremden gegenüber momentan sehr zurückhaltend, was die Leute hier manchmal etwas irritiert, aber was ich nicht besonders schlimm finde. Robert erzählt, wenn er jemanden ein Stück mitnimmt, redet sie kein Wort mit ihm/ihr, aber sobald er/sie ausgestiegen ist, fragt sie gleich „Who is this?“

Was mich sehr freut ist ihre anhaltende Freude an Büchern. Auch wenn es dazu führt, dass ich oft wochenlang jeden Abend das gleiche Buch vorlesen muss. Manchmal „liest“ sie auch ihren Kuscheltieren etwas vor, das klingt dann sehr lustig. An manchen Abenden liest sie auch erst mir das Buch vor und dann muss ich es ihr nochmal vorlesen. Oft komme ich auch gar nicht richtig dazu, ihr das Buch vorzulesen, weil sie ständig auf ein Bild zeigt und mir erzählt, was gerade passiert, oder dass der Onkel Scar böse ist oder der Elefant „doof“ (das verwechselt sie gerade häufig mit „tot“, wobei ich bei beiden Wörtern nicht sagen kann, woher sie die eigentlich kennt) oder der Babylöwe ist „weggelauft“ – na, wer erkennt die Geschichte? :lol: Richtig, Der König der Löwen :-) Derzeit häufig auf dem iPad geguckt und auch noch als Buch gelesen. Wenn sie etwas größer ist, müssen wir wohl mal nach Hamburg ins Musical ;-) Im Englischen sagt sie gerade gerne „I’m so hungry“, meint allerdings dass sie wütend ist, also angry und dann „I’m going to my bathroom“ und verschwindet in ihrem Zimmer, woraufhin Robert und ich uns immer angucken und uns das Lachen verkneifen müssen. Sie ist einfach goldig!

Ach ja, in manchen Dingen kann sie ja auch sehr speziell sein. Zum Beispiel darf Papa nicht Mamas Zahnpasta nehmen. Erst als ich es ihm ausdrücklich erlaubt habe, konnte sie das tolerieren. Ebenso darf die blaue Leggins, die so gut zu der Bluse von Oma passt auch nur zu dieser Bluse getragen werden. Obwohl die auch noch sehr gut zu einigen T-Shirts passt. Wenn ich ihr was zum Naschen oder Knabbern hinstelle, gibt es großen Protest, wenn ich mir davon auch etwas nehme: „das ist meins!“ Und weiterhin sind Kleider und Leggins die Favoriten. Wenn ich sie morgens frage, was sie anziehen möchte, sagt sie immer: „Ein Kleid, Leggins, Unterhose und Socken.“ :-) Knöpfe und Reißverschlüsse sind schon lange kein Problem mehr, nur mit der Richtung der Klamotten (vorne/hinten) hapert es noch ein wenig und bei den Schuhen liegt derzeit die Trefferquote bei ca. 50%. Wobei das bei ihren neuen Ballerinas, die sie zum Geburtstag bekommen hat auch wirklich schwer zu sehen ist. Ich frage mich bloß immer, wie sie mit den Sandaletten überhaupt gehen kann, wenn sie sie verkehrt herum angezogen hat. Das muss doch unbequem sein!

Und in Bezug auf ihre Ohrringe wusste sie ja schon letztes Jahr, was sie will – da wollte sie unbedingt Löcher haben. Jetzt will sie ihre Ohrringe nicht mehr tragen! Auch als ich ihr sagte, dass dann die Löcher zuwachsen und wir dann in ein paar Jahren wieder neue Löcher machen lassen müssen, wenn sie wieder welche tragen will, hat sie darauf bestanden, keine Ohrringe mehr zu tragen. Na gut. Jetzt muss sie warten, bis sie 6 wird, vorher gibt es definitiv keine neuen Löcher!

So, jetzt dürft ihr euch darauf freuen, das alles live und in Farbe zu erleben, wenn wir kommen. Trainiert schonmal eure Lachmuskeln bzw. euch das Lachen zu verkneifen ;-)

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