das letzte Mal Richtung Norden

Obwohl ich jetzt eigentlich schon ziemlich müde bin und morgen auch schon wieder um 7 abgeholt werde, um Richtung Nordosten zu fahren, möchte ich euch doch nicht vorenthalten, wo ich mich heute rumgetrieben hab.

Mich hat es heute zum Krankenhaus Ruli im District Gakenke verschlagen. Auf dem Weg dorthin wurden wir ordentlich durchgeschüttelt, denn die Straße ist eine einzige Katastrophe, obwohl sie immerhin noch der Kategorie 3 zugeschrieben wird (5 wäre das schlechteste). Wir haben für die paar Kilometer länger gebraucht als für die ganze Strecke nach Ruhengeri letzte Woche!

Karte Feldarbeit 26.05.2008

Auch wenn der Weg ziemlich beschwerlich war, war die Landschaft wiedermal sehr reizvoll.  Besonders die ersten Kilometer, wenn man aus Kigali raus ist, und am Nyaborongo entlang fährt, der sich dort sehr malerisch durchs Tal schlängelt. Da kann man sich nur schwerlich vorstellen, was der Fluss zu Zeiten des Genozids mitgemacht hat.  In dem angrenzenden Sumpfland trifft man auf flächenhaften „Lehmziegelabbau“, wo Leute mit einer Form Ziegelsteine aus dem Boden formen, auf ein Brett schlagen und zum Trocknen in die Sonne legen. Die werden dann auch aufgestapelt und wie ich den Eindruck hatte, auch gebrannt.
“Lehmziegelabbau” kann mir jemand sagen, was das ist? Nyaborongo

Weiß jemand, was das in der Mitte für eine Pflanze ist? Sieht eigentlich aus wie Mais, von der Pflanze selbst her, aber die Blüte oben sieht anders aus. Für sachdienliche Hinweise wenden Sie sich bitte an Ihre Webmistress ;-)

Der Vorteil von diesen Lehmziegeleien ist, dass die schlechten Straßen gleich mit den kaputten Steinen ausgebessert werden. Mehr oder weniger… War so oder so schlecht genug die Straße. Auf dieser Straße kommt man durch einige kleine und größere Siedlungen mit besseren und schlechteren Häusern und man hat das Gefühl, die Leute hätten seit 20 Jahren kein Auto mehr gesehen. Aber es gibt den einen oder anderen sehr gepflegten Fußballplatz. Ein kleines Mädchen hat mich sehr beeindruckt: Es war selbst vielleicht erst 4 oder 5 Jahre alt und trug ihr kleines Geschwisterchen in einem Tuch auf dem Rücken und dazu noch ein paar Bananen in einer Schüssel auf dem Kopf. Was für eine Kindheit…

superschlechte Straße aber angeblich nur Kategorie 3 sehr einfaches Haus der Standard-Fußballplatz

fließendes Gewässer besseres Haus schöne Aussicht und Kaffee

Weiter oben werden die Mais- und Zuckerrohrpflanzen (ich glaub jedenfalls, dass es Zuckerrohr ist) und das unbekannte Gewächs von Kaffeeplantagen abgelöst und man hat wieder eine herrliche Aussicht über die Berge Ruandas.

Das Krankenhaus Ruli wird oder wurde vom Landkreis Kaiserslautern gesponsert und wurde wohl 1999 gebaut. Angeschlossen ist auch eine Berufsschule, wenn ich es richtig verstanden hab, und die Dominikaner scheinen auch mal dagewesen zu sein. Ach ja und ein Golfclub hat da offenbar ein Waisenhaus mitfinanziert wie es aussieht… Einen deutschen Chirurgen hab ich auch noch getroffen, der schon seit 6 Jahren im Ruhestand ist und statt zu ruhen nun in Ruli fast täglich operiert. Er machte auf mich auch noch einen sehr rüstigen Eindruck mit seinen 71 Jahren.

Wegweiser Krankenhaus Ruli Krankenhaus Ruli von den Deutschen gesponsertes Waisenhaus

Auf dem Rückweg wurden dann noch günstig Maiskolben eingekauft (von meiner Kollegin). Das scheint hier so üblich zu sein, dass man, wenn man dienstlich unterwegs ist, die Gunst der Stunde nutzt, um noch günstig einzukaufen. In Ruhengeri hatten wir den Kofferraum voll mit Kartoffeln, Zwiebeln, Salat und weiß ich nicht alles und heute war es eben Mais. Aber wenn mir jemand mit Ananas über den Weg gelaufen wäre, hätte ich wohl auch nicht nein gesagt ;-) Und auch, dass man Leute von einem Krankenhaus mit nach Kigali nimmt, kommt schonmal vor. Ich frag mich bloß immer, wie die Leute da überhaupt hingekommen sind! Heute ist uns aber tatsächlich ein Bus entgegengekommen (so ein kleines Minitaxi), der offenbar auf dem Weg nach Ruli war. Nun ist Ruli auch ein ziemlich großer Ort, aber als wir letzte Woche in Rotongo waren, hatte ich das Gefühl, am Ende der Welt zu sein!

Morgen geht es nun in den nordöstlichen Zipfel Ruandas, wo ich dann wahrscheinlich auch übernachten werde. Mal sehen, was da die technische Ausstattung so hergibt ;-)

PS: Ich weiß, die Karte ist heute nicht so doll geworden, aber ich hab jetzt einfach keinen Nerv mehr. Vielleicht mach ich da die nächsten Tage noch was dran, wenn ich ohne Internetanschluss in einem Hotelzimmer in der Pampa hocke ;-)

3 Kommentare

3 comments on “das letzte Mal Richtung Norden”

  1. Victoria sagt:

    Hi Liebes,
    ich denke, dass Nicole recht hat und es sich um eine Mohrenhirse handelt. Guckst du auf Wikipedia Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Mohrenhirse. Sieht dem Grünzeug ziemlich ähnlich.
    Sorry wegen Telen und danke für deine Mail. Antwort folgt :-)
    Ich mach mir demnächst mal ne Packliste und schick sie dir. Guck dann mal drüber ob was wichtiges fehlt.

    Knutscha Victoria

  2. Mama sagt:

    Hallo liebe Tochter,
    ich glaube, du musst dich nicht rechtfertigen für deine Arbeit, du tust für deinen Fanclub schon mehr, als wir erwarten dürfen. Von den Pflanzen war mein erster Eindruck auch, dass es Hirse sein könnte. Nur kenne ich sie nicht so groß.

    Liebe Grüße von MAMA

  3. Nicole (die andere) sagt:

    Hi Süße,

    also ich behaupte mal, dass das Sorghumhirse ist. Mal sehen, was die Fachmänner und -frauen sagen. Hab mir gerade Dein „fließendes Gewässer“ als Desktophintergrund geklaut. Vielleicht kaanst Du mir das bei Gelegenheit in etwas besserer Auflösung schicken!? Biiiiitttteee! Eilt nicht, also irgendwann nach der Pampa! Viel Spaß noch und genieß die Landluft!

    Bussl nic

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