Mit den Baumwipfeln auf Augenhöhe

Nach einer Woche in Ruanda gibt es schon wieder eine Menge zu erzählen und eigentlich weiß ich gar nicht so recht, wo ich anfangen soll. Da ich euch aber nicht wieder mit seitenlangen Beiträgen belästigen will, versuche ich, mich kurz zu fassen und picke mir das absolute Highlight der ersten Woche heraus: den Canopy Walk im Nyungwe Nationalpark.

Für 60 USD darf man im Nyungwe Nationalpark seit letztem Oktober direkt in die Höhen der Baumwipfel des Regenwaldes hinaufsteigen. Dafür geht man eigentlich erstmal ein gutes Stück runter (insgesamt macht man bei der Tour aber gerade mal 150 Höhenmeter), um dann mit Hilfe des Canopy Walks ein Tal zu überqueren. Insgesamt 150 m Weg wurden hier mit einer extrem sicher wirkenden Seil- und Alu-Konstruktion mitten in den Regenwald gebaut. Von ein paar Kanadiern, die durch 20 einheimische Arbeiter unterstützt wurden. In ca. 6 Monaten wurden Unmengen an schwerem Gerät, Alugestängen, Seilen, Schrauben und was-weiß-ich-nicht-alles in den Regenwald geschleppt, wo 15 Meter tiefe Fundamente ausgehoben wurden, um die Alutürme zu verankern, die die Seilkonstruktionen halten. Das erste Stück Weg ist mit einer Länge von 45 m noch ganz gut zum Eingewöhnen. Vor dem Betreten des Alu-Weges bekommt man vom Guide auch noch ein paar ganz nützliche Anweisungen, wie z. B. dass wir möglichst in der Mitte gehen, nicht zu viel Abstand lassen sollten und dass springen und hopsen verboten ist. Spätestens auf der zweiten Strecke, die auf 90 m bis zu 60 m über dem Erdboden hängt, wo auch noch ein ordentlicher Wind wehte, machte sich dann auch der gute Rat, sich doch an den Seilen festzuhalten, bezahlt. Das war dann doch schon eher etwas für Fortgeschrittene bzw. definitiv nichts für unter Höhenangst Leidende. Jürgen hat jedenfalls gleich gesagt, das wäre nichts für seine Frau und ich musste an meinen lieben Kollegen Norbert denken, der sich vermutlich nie  auch nur auf die erste Plattform gewagt hätte. Dabei trägt die Kontruktion vier Tonnen! Wir (Jürgen, Peter und ich) fanden es jedenfalls toll und haben die schöne Aussicht und das Gefühl, mit den Baumwipfeln auf Augenhöhe zu sein, genossen.

Canopy Walk Nyungwe Nationalpark

Canopy Walk Nyungwe Nationalpark

über dem Regenwald

über dem Regenwald

Und wer nicht so viel lesen will, der kann sich ab hier auch nur die Bilder angucken ;-) (Tut mir leid, dass ich immernoch nicht rausbekommen habe, wie man es einrichtet, dass ihr euch alle  Bilder hintereinander angucken könnt.)

Mit den Kollegen von der Humboldt Universität ging es am Freitag nach Butare, um die dortige Universität zu besuchen. Auf dem Weg machten wir noch einen Zwischenstop in einem der Health Centre, die ich im letzten Jahr besucht habe, wo eine Schwester geduldig die Fragen der mitreisenden Professoren beantwortete. Im Gespräch konnte ich so auch noch ein paar Informationen aufschnappen, die ich gut für meine Doktorarbeit verwenden kann und sofort notiert wurden. Kurz vor  Feierabend haben wir auch noch einen Abstecher auf den Markt gemacht, der im letzten Jahr zu einem guten Teil einem neuen Gebäude weichen musste (ich hatte ursprünglich gedacht, dass in dieses Gebäude der Markt einziehen soll, aber danach sieht es jetzt nicht mehr aus). Entsprechend hat sich jetzt der Markt auf eine freie Fläche neben dem eigentlichen Markt verlagert, was leider nicht zu einer schönen Atmosphäre beiträgt. Wir wurden jedenfalls ziemlich argwöhnisch beäugt, als wir dort herumliefen und bei einem schönen Abendlicht ein paar Fotos machen wollten.

Markt in Butare

Markt in Butare

Am Samstag wurden wir zuerst von Rachel auf dem Campus der Universität herum geführt, wo wir von einem der Regenzeit alle Ehre machenden Unwetter heimgesucht wurden. Glücklicherweise haben wir es fast trocken bis ins Hauptgebäude geschafft, wo wir dann auch mit dem Dekan der Geographie verabredet waren. Bei dem Regen waren wir gezwungen, uns etwas länger in seinem Büro zu unterhalten. Unser gemeinsamer Ausflug „auf’s Land“ beschränkte sich dann aufgrund der Straßenverhältnisse mehrheitlich auf die Hauptstraße, war aber dennoch sehr interessant.

Tal im Huye Distrikt

Tal im Huye Distrikt unterhalb des Mont Huye

Für den Sonntag hatte ich mir überlegt, in den Nyungwe Nationalpark zu fahren, dort eine kleine Wanderung zu machen und in Cyangugu am Lake Kivu zu übernachten. Ersteres und Letzteres war auch kein Problem, aber als wir im Park ankamen, schüttete es wie aus Kübeln, so dass es überhaupt nicht in Frage kam, eine Wanderung zu machen. Aber wir haben uns die Informationsstation des Nationalparks angeguckt und beschlossen, am nächsten Morgen wiederzukommen. Zum Trost sind wir dann noch auf einen Tee/ein Bier in eine neu gebaute Lodge am Rande des Parks mitten in einer Teeplantage gefahren, die wirklich beeidruckend schön gelegen ist. Der Regen ließ dann auch nach, so dass der Wald wie verzaubert wirkte, als sich die Nebelschwaden durch die Bäume bewegten.

Nyungwe Lodge

Nyungwe Lodge

Nach einem netten und glücklicherweise auch trockenen Abend in Cyangugu wurden wir am nächsten Morgen mit strahlendem Sonnenschein und singenden, von der Arbeit heimkehrenden Fischern begrüßt. Immer wieder finde ich diesen See beeindruckend. Genauso begeistert mich immer wieder das Grün der Teeplantagen rund um den Nyungwe Nationalpark. Und so mussten wir, auch wenn wir eigentlich möglichst früh im Park sein wollten, um noch den Canopy Walk zu machen, doch noch anhalten, um die grünen Hügel zu fotografieren. Einfach nur wunderschön!

Teeplantage - mein liebstes Grün

Teeplantage - mein liebstes Grün

Inzwischen sind wir wieder in Kigali und haben bereits den ersten von drei Workshop-Tagen hinter uns gebracht. Wie nicht anders zu erwarten war, mussten wir uns doch noch um ziemlich viel kümmern und nicht alles hat optimal geklappt, aber zum heutigen Feierabend waren wir dann mit dem Verlauf des Workshops doch recht zufrieden. Mal sehen, wie die nächsten Tage werden…

Ach ja, meinen Job als Wachhund bin ich immernoch nicht los geworden und meine Stimme taugt auch noch nicht zur Karaoke fürchte ich. Dabei hatte ich am Montag beschlossen, dass das mit der Husterei jetzt ein Ende hat. Wie es scheint, muss ich jetzt nur noch meine Bronchen davon überzeugen.

1 Kommentar

One comment on “Mit den Baumwipfeln auf Augenhöhe”

  1. liane sagt:

    Hi Nicole, das klingt alles sehr gut und ich freue mich das du auch ein paar Tage für dich hattest. Ich lande am 12.04. und am 14.04. bekommen wir Besúch aus D.
    Wir waren vor 4 Wochen in der Nyungwe Forest Logde und total begeistert !
    Die beiden tage sind wie im Fluge vergangen. Beim nächten Besuch musst du dir mal die Wasserfalltour anschaun. Super schön!
    Liebe Grüße und eine tolle Zeit,
    Liane

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