Ursprünglich hatte ich mich am Montag mit Kenyatta, meinem langjährigen „Chauffeur“ und Gelegeheitsübersetzer, verabredet, um ein paar Telefonanrufe zu machen, bei denen ich befürchten musste, sprachlich an gewisse Grenzen zu stoßen. Aber nach dem ersten Gespräch mussten wir feststellen, dass wir telefonisch nichts erreichen würden. So beschlossen wir kurzerhand, Patricia einen Tag ihrem Papa zu überlassen und uns dafür mit seinem Auto auf den Weg nach Huye zu machen, um nochmal ein paar Gesundheitszentren abzuklappern und ein paar Informationen zu bekommen. Und bereits nach dem ersten besuchten Gesundheitszentrum war ich überzeugt, dass das wirklich eine gute Entscheidung war. Wie Kenyatta so schön sagte, telefonisch hätten wir anschließend mehr Fragen als Antworten gehabt. Auf diesem Wege konnte ich einige Unklarheiten beseitigen und ich hoffe, damit habe ich nun alle Informationen zusammen, die ich brauche. Zwei weitere Health Posts konnte ich sogar persönlich besuchen. Den einen davon haben wir quasi zufällig gefunden und konnten so auch umgehen, auf den Chef von dem einen Gesundheitszentrum zu warten. Wir hatten auf dem Weg zu einem weiteren Gesundheitszentrum einen Wegweiser gefunden, den wir auf dem Rückweg dann einfach ausprobierten. Zuerst kam uns der Weg etwas abenteuerlich vor, aber auf dem Gipfel des Hügels fanden wir dann tatsächlich diesen Health Post – wenn dort auch quasi sonst nichts war. Auch kein Wasser. Das wird wohl dort gerade verlegt. Es war jedenfalls mal wieder ein gutes Gefühl, etwas vorangebracht zu haben.
Auf dem Weg in den Süden konnte ich wieder einen Blick auf die Volcanoes erhaschen. Ich finde es immer wieder überraschend und gleichzeitig beeindruckend, sie auf dieser Strecke zu sehen (ungefähr hier, ein bisschen die Straße weiter nördlich wahrscheinlich, da ich den Punkt nicht so schnell auf dem GPS sichern konnte: https://maps.google.com/maps?q=loc:-2,03,29.84904). Immerhin in einer Entfernung von ca. 75 km Luftlinie rechne ich dort immer nicht damit, bis zu den Volcanoes gucken zu können. Ich musste das gerade mal nachmessen – ich hätte gedacht, das ist viel weiter.
Außerdem auf dem Weg in den Süden trafen wir einen „abnormal wide load“ Transport, also sowas, was wir in Deutschland Schwertransport nennen würden. In dem Fall handelte es sich um vier Transporter, die jeweils ein offenbar ziemlich schweres Teil geladen hatten. Vielleicht soll das mal eine Brücke werden. Jedenfalls waren die natürlich entsprechend langsam unterwegs und hielten uns ganz schön auf. Vielleicht kann mir ja eine(r) von euch folgendes erklären: Alle vier Transporter wechselten an für uns unerklärlichen Stellen die Spur, z.T. blieben sie dann eine Weile auf der anderen Spur, z.T. wechselten sie relativ flott immer hin und her. Kenyatta hatte erst gedacht, dass sie der Stromleitung ausgewichen wären, aber beim nächsten mal, als wir darauf geachtet haben, war auf der „richtigen“ Straßenseite genausoviel Platz zur Stromleitung wie auf der anderen Spur. Dann hab ich gedacht, vielleicht versuchen sie mit dem Fahren in Schlangelinien den Schub zu reduzieren, weil es dort etwas abwärts ging, so wie beim Skifahren
Aber dann haben sie das auch auf einer ebenen Strecke gemacht. Als sie dann eine ganze Weile ohne ersichtlichen Grund wieder auf der anderen Straßenseite fuhren, sind wir einfach rechts vorbei gefahren. So konnten wir leider nicht mehr beobachten, wie das Theater weiterging. Aber sonst wären wir wahrscheinlich nie in Huye angekommen.
Und auf dem Weg zu einem der Health Center im Westen des Distrikts wurden wir von einem Abschleppwagen aufgehalten, der fast die ganze Straße einnahm, um einen total verschrotteten Toyota Prado aufzuladen. Kenyatta ist dann mal kurz ausgestiegen, um sich das genauer anzusehen und meinte, das wäre ein ganz neues Modell gewesen. Aber dass es sich um einen Toyota Prado handelte, hätte ich nicht mehr erkannt. Wir schätzen mal, dass er zu schnell gefahren und von der Straße abgekommen ist, um dann den Abhang runterzukullern. Nicht lustig. Ich hoffe, die Leute, die da drin saßen, sind mit dem Schrecken davon gekommen. Da die Leute auf dem Land sonst nichts zu tun haben (denkt man zumindest in solchen Momenten), stehen und sitzen alle drum rum und schauen beim Abtransport zu.

ein neuer Toyota Prado wird mit Totalschaden abgeschleppt – offenbar, nachdem er den Hügel runtergekugelt ist
Robert hat in der Zwischenzeit einen schönen Tag mit Patricia gemacht, den beide offenbar gut überstanden haben. Nur dass Patricias Nase immernoch furchtbar läuft und ich nicht wirklich das Gefühl habe, dass der Schnupfen und der Husten besser werden. Gestern Abend hatte sie auch ein bisschen Fieber, aber sonst hält sie sich tapfer. Während sie die ersten Tage die Medizin, ein sehr süß riechender Sirup, immer gerne genommen hat, weigert sie sich jetzt leider, das Zeug zu schlucken. Gar nicht so einfach, ihr das einzuflößen, wenn sie nicht will. Heute früh fand ich die beiden auf der Couch, wobei Patricia wohl gerade wieder eingeschlafen war. Robert war mit ihr ins Wohnzimmer gegangen, als sie wach geworden ist, um mich noch ein bisschen schlafen zu lassen. Sehr lieb von den beiden. Sie hat dann allerdings noch eine ganze Weile geschlafen, was uns die Zeit gelassen hat, wiedermal zu waschen. Also Robert, ich hab die Wäsche dann aufgehängt. Bei der letzten Fuhre ist Patricia dann doch endlich wach geworden und ist gleich ihrem Papa zu Hilfe geeilt. Jedenfalls fand ich sie mit beiden Armen im Eimer mit der gewaschenen Wäsche. Sehr drollig ![]()
Unsere Abreise nach Uganda wurde auf Freitag Vormittag verlegt. Ich hoffe, da kommt jetzt nichts mehr dazwischen. Ich bin allerdings ganz froh, dass ich noch einen Tag mehr in Kigali habe. So schaffe ich es morgen vielleicht zur Botschaft, um mich um Roberts Visum für das kommende Jahr zu kümmern.
Und für alle, die schon soooolche Sehnsucht nach Patricia haben: Am 16.11. sind wir ja wieder da ![]()






Das ist ja super, schon wieder so viel Infos. Schön, dass du soviel geschafft hast. Die Sehnsucht nach Patricia ist wirklich schon sehr groß, aber nach ihrer Mutter auch.
Best wishes to the little family. MAMA