Ganz traditionell

Eigentlich war ich ja gerade schon auf dem Weg ins Bett, aber dann hab ich mir doch überlegt, dass ich euch noch mit ein paar neuen Fotos und paar ergänzenden Zeilen beglücke, wenn ich schonmal Internet hab.

Das ganze GIS Center war nämlich am Samstag bei der Hochzeit von Elias (unserem Kollegen) und Ida eingeladen. Wahnsinnig viele Leute waren da, einfach unglaublich. Schon die religiöse Zeremonie war etwas anders als gewohnt, weil die beiden nämlich Moslems sind und entsprechend in der Moschee (bzw. einem Nebenraum) verheiratet wurden. Man kann jedenfalls nicht sagen, dass sie sich das Eheversprechen gegeben hätten, weil Ida nämlich die ganze Zeit weder was gefragt wurde, noch dass sie was gesagt hätte. Aber unterschreiben durfte sie immerhin noch selbst. So wurden sie etwa eine Stunde lang belehrt, wie sie sich zu verhalten hätten und Elias wurde dreimal gefragt, ob er wirklich Ida heiraten will (oder so, hab ja kein Wort verstanden – wurde mir aber so übersetzt, und dreimal, damit er nachher nicht sagen kann, er hätte was nicht richtig verstanden oder so). Dann mussten beide unterschreiben, sowie die Trauzeugen (spricht man da auch von einer Trauung?) und noch ein paar Leute und dann sind die beiden – vermutlich mit der Verwandtschaft – zum Novotel zum Fotos machen gefahren, während wir noch in ein Restaurant eingekehrt sind, um unsere knurrenden Mägen (zumindest meinen) mit Bier oder einem Weichgetränk zur Ruhe zu bringen, bevor es dann zum Empfang ins La Palisse gehen sollte. Dort war dann der Saal schon gerappelt voll als wir eintrafen. Einfach unglaublich. Aber natürlich gab es dort auch nichts zu essen (warum hatte ich bloß meine Kekse vergessen!???!) sondern auch wieder nur Weichgetränke. Aber dafür wurden wir mit tollen Tänzern (und Tänzerinnen) belohnt. Diese Kriegstänzer sahen so kurz vor dem Verhungern aus, dass es einem gleich auch etwas leichter gefallen ist, nicht ans Essen zu denken. Kurz bevor wir dann mit der Geschenkeübergabe dran waren, gab es dann zwar noch Hochzeitstorte, aber die sah so dermaßen klebrig aus, dass ich mir das erspart hab. Nachdem ich nun schon von früh um 9 bis abends um halb7 durchgehalten hatte, kam es auf das kleine Stück Torte nun auch nicht mehr an…

das ernste Hochzeitspaar  die riesige Hochzeitsgesellschaft

Tänzer bei der Hochzeit von Elias und Ida  Kriegstänzer bei der Hochzeit von Elias und Ida

Und was ich ja jetzt fast vergessen hätte: Michele und ich haben schon in der Stadt, als wir die Hochzeitsgeschenke abgeholt haben, reichlich Blicke auf uns gezogen. Michele hatte nämlich von Elias extra eine(n?) Imishanana geschickt bekommen, so wird das traditionelle Kleid mit dem Tuch genannt (von Elias heute auch ceremonial dress genannt), was fast wie ein Brautkleid aussah, so ein toller Stoff war das. Ich wollte mich ja erst in mein Zebrakleid zwängen (was auch einigermaßen gepasst hätte), fühlte mich damit aber irgendwie ein bisschen nackt für eine moslemische Hochzeit. Und als Michele gehört hat, dass ich auch gerne mit einem/r Imishanana zur Hochzeit gehen würde, wurde mir das Kleid ihres Kindermädchens angeboten, was nach flinker Änderung des Gummibandes beim Unterrock auch gut gepasst hat. Eigentlich besteht das ganze „nur“ aus einem Unterrock und einem Wickelrock, der dadrüber „drappiert“ wird – was schon eine Kunst für sich ist. Das extra Tuch wird dann entweder mit einer Brosche oder einfach mit einem kleinen Knoten auf der Schulter zusammengehalten und wie eine Scherpe umgelegt. Super zum Kaschieren kleiner Fettpölsterchen :) Was ich ja aber natürlich nicht nötig gehabt hätte, ähem… Michele und ich sind anfangs fast umgekommen, weil uns die Wickelröcke so eng um den Leib gebunden wurden, dass wir kaum noch atmen konnten. Hab mich gefühlt wie Schneewitchen. Lustigerweise sind die anderen beiden Mädels, mit denen wir im Auto gefahren sind, im modernen Hosenanzug erschienen (auch noch beide in dunkelrot), während wir Muzungus uns im Imishanana schon manchmal ein bisschen komisch fühlten.

verkehrte Kleiderwelt bei Elias’ und Idas Hochzeit

Nach der Hochzeit sind wir noch in den Supermarkt eingefallen, wo die anderen sich ein paar Snacks für die Rückreise gekauft haben, während ich am Eingang auf sie gewartet hab. Hatte natürlich nicht damit gerechnet, dass ich damit die Aufmerksamkeit sämtlicher Leute auf mich ziehe, die an der Kasse bezahlt haben. Ich hatte aber das Gefühl, dass das insgesamt sehr gut ankam, dass wir uns so traditionell gekleidet hatten. Einer der Kunden fragte mich dann auch prompt, ob ich bei einer Hochzeit gewesen sei :) Ich hab mich dann trotzdem umgezogen, bevor ich ins Bourbon Coffee gegangen bin, um einen Salat zu essen…

1 Kommentar

One comment on “Ganz traditionell”

  1. Nicole (die andere) sagt:

    Klingt ja sehr spannend und scheint völlig anders zu sein, als bspw. in Libyen, da sehen sich Braut und Bräutigam gar nicht, während sie verheiratet werden. Da steht der Brautvater (oder Brautbruder) mit dem Bräutigam vor dem „Altar“ (Weiß gar nicht, ob das da so heißt). Komische Vorstellung…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

:wink: :-| :-x :twisted: :) 8-O :( :roll: :-P :oops: :-o :mrgreen: :lol: :idea: :-D :evil: :cry: 8) :arrow: :-? :?: :!: