Wie gestern ja schon angekündigt, hab mich am frühen Nachmittag auf dem Weg in „die Stadt“ gemacht. Gestern war ja Umuganda (letzter Samstag im Monat, der zu gemeinnütziger Arbeit genutzt wird, oder werden sollte…), da war ich mir zum einen nicht sicher, wann die Bank auf hat und auch nicht, ob der Arzt da nicht evtl. auch zu hat. Ich hatte die Bank mal eher so eingeschätzt, dass sie vielleicht so zwischen 12 und 2 auf hat, also hab ich probiert, vor zwei da aufzutauchen. Hat mir aber nix genutzt: Die Bank war zu. Immerhin konnte ich dann schonmal mein Busticket für heute kaufen, weil ich für nachmittags mit Robert in Kigali verabredet war. Also bin ich wieder Richtung zuhause zum Arzt, der aber gerade in der Mittagspause war. War ja klar… Ich solle doch gegen 3 nochmal wiederkommen. Gesagt, getan: Ich also wieder nach hause, total abgekämpft nach den 15 Minuten Marsch (die Dusche hätte ich mir auch sparen können) erstmal zwei Scheiben selbst gebackenes Brot mit Marmelade vertilgt. Da ging es mir dann gleich viel besser
Temperatur inzwischen bei 37,25° – also noch nicht wirklich lebensbedrohlich, aber für mich eindeutig ein Zeichen dafür, dass was nicht in Ordnung ist.
Ich also um halb4 wieder zum Doc. Der ist immernoch nicht da, aber „spätestens in 10 Minuten“. Ok, Zeit genug für mich, es nochmal bei der Bank zu probieren, vielleicht macht sie ja auch erst nach 2 auf, so wie der Supermarkt. Aber nein, die Bank ist immernoch zu. Na gut, gönnen wir den Bankangestellten auch mal nen freien Samstag. Die Mädels, die mir immer Telefonkarten verkaufen, haben schon etwas komisch geguckt, als ich nun schon das zweite Mal da vorbeigekommen bin. Telefonkarten hatte ich aber schon beim ersten mal gekauft. Bei La Source, die inzwischen auch auf hatten, hab ich mir noch schnell was zu trinken gekauft – bergauf, bergab, da wird man (frau) schonmal durstig… Also wieder zurück zum Arzt. Der ist natürlich immernoch nicht da. Aber der Arztgehilfe (was auch immer der nun für eine Ausbildung hat) macht mir das Angebot, dass er sich ja mal meine Geschichte anhören kann, ggf. Tests veranlassen könnte und dann können wir weiter sehen. Ok, machen wir so. Das wurde eine lustige Mischung von Französisch und Englisch, aber ich hoffe mal, er hat verstanden, was mich zu ihm getrieben hatte. Jedenfalls hat er mich abgehorcht, Fieber gemessen (immernoch 37°C) und dann ein paar Tests verordnet: Malaria, Typhus und ein Test zum Überprüfen, ob ich ne Infektion oder so was hab. Also ab ins Labor, Blut abgenommen, bitte eine halbe Stunde warten. Die Wartezeit wird mir gleich verkürzt, weil Robert anruft und fragt, ob ich doch schon den Abend noch nach Kigali kommen könnte, weil seine sechs Ladies ihm schon wieder nen neuen Plan aufgetischt haben (ungefähr das fünfte mal in den letzten drei Tagen), weshalb sie schon am Samstag nach Kigali fahren würden und heute dann schon wieder woanders hin wollten. Hm, es war inzwischen halb5, ich musste auf alle Fälle nochmal zu Volcano das Ticket ändern, noch auf meine Ergebnisse warten, ggf. noch zur Apotheke, nochmal nach Hause, Beine rasieren
– also den Bus um 18.30 Uhr… Also bin ich wieder in „die Stadt“ gestiefelt, wieder an meinen Telefonkartenmädels vorbei zu Volcano, das Ticket umtauschen. Wieder zurück zum Arzt, bzw. zu seinem Gehilfen: Alle Tests ohne Befund bzw. negativ. Keine Malaria, das ist ja schonmal gut. Trotzdem hätte ich natürlich schon gerne gewusst, warum es mir nicht gut geht. Aber mein Blut sagt, mir geht es blendend. Hm, na gut, glauben wir das mal. Dennoch hab ich einen Hustensaft gegen trockenen Husten verschrieben bekommen, den ich dann noch in der Apotheke nebst neuen Kopfschmerztabletten erstanden hab. Und diesmal hab ich mir dann ein Moto nach hause geleistet (vor allem aus Zeitgründen). So konnte ich den Moto-Fahrer, der komischerweise schon wusste, wo ich wohne, bevor ich „hier“ schreien konnte (bzw. ici), gleich noch bitten, mich doch um 6 wieder abzuholen, damit ich rechtzeitig wieder am Bus sein würde.
Und ich habs tatsächlich geschafft, in einem Rekordtempo zu duschen, mir die Beine zu rasieren, ein paar lebenswichtige Dinge in meine größere Handtasche zu stopfen und sogar noch meinen Hustensaft zu nehmen, bevor mein Moto-Fahrer außergewöhnlich pünktlich wieder vor dem Tor stand. So war ich dieses mal nicht schon wieder total verschwitzt und abgekämpft, als ich dann endlich um Viertel nach 6 im Bus nach Kigali saß und sogar noch in Ruhe ein bisschen lesen konnte. Mit der Ruhe war es dann allerdings bald vorbei, weil einer der Mitreisenden meinte, lautstark mit seinem Handy erst Filme gucken zu müssen und dann Musik abzuspielen. Ich musste dann halt meinen Ipod mal wieder etwas lauter stellen und hab nichts gesagt, aber ich frag mich, wie die anderen das ausgehalten haben…
An diesem leicht verunglückten Versuch, die schlechte Straße mit einem vermutlich überladenen LKW zu befahren, bin ich nun gestern etwa sieben mal vorbeigekommen, so dass ich es mir schließlich nicht nehmen ließ, ihn auch noch für euch festzuhalten:
War zwar wieder echt kurz die Zeit mit Robert, aber wieder sehr schön. Irgendwie waren wir beide ganz schön k.o., nachdem wir nach meiner Ankunft in Kigali noch im Indian Khazana essen waren. Wie der Name schon vermuten lässt, ein indisches Restaurant mit sehr gutem Service und gepfefferten Preisen – aber das Essen ist auch echt spitzenmäßig! Ist, glaube ich, auch das einzige indische Restaurant in ganz Ruanda… Aber wenn man mit seinem Schatzi nur einmal die Woche Abendessen geht, kann man sich auch mal ein 40Euro Dinner leisten ![]()
Der Morgen heute war dann ganz schön hektisch am Schluss, weil Robert die Zeit ein bisschen verpeilt hat, aber so fiel der Abschied nicht ganz schon schwer. Um halb11 saß ich nun schon wieder im Bus nach Butare, wo ich gleich mal wieder eine neue Bekanntschaft machen durfte: Samuel, ein „chapelar“ (hab keine Übersetzung gefunden) aus Kigeme (da konnte ich ja gleich trumpfen, indem ich wusste, dass es da ein Krankenhaus gibt :)), der mir dann aber leider eine private Bibelstunde aufdrängen wollte. Eine Mitreisende, die einen etwas beängstigen Asthma-Anfall hatte, hat mich dann aber davor bewahrt, mich die nächsten zwei Stunden mit ihm darüber auseinandersetzen zu müssen, wie sinnvoll das jetzt ist, was er mir da gerade vorbetet. Ich hab ihm jedenfalls gesagt, dass ich es für christlicher halte, einem Menschen zu helfen, dem es offenbar nicht gut geht, als mir anzuhören, was andere Leute aus der Bibel zusammengetragen haben. Ein mitreisender Ruander versuchte, die asthmatische Frau zu beruhigen, hatte aber wenig Erfolg. Ein mitreisendes Muzungu-Pärchen hatte scheinbar Erfahrungen mit Asthma, hatten sogar ein Spray dabei, was die mit dem Asthma aber nicht nehmen wollte. Sie fing dann aber auch noch an zu hyperventilieren. Die andere Muzungu meinte, wir bräuchten eine Papiertüte, aber die anderen Mitreisenden machten keine Anstalten, sich von ihren Papiertüten zu trennen, wobei also mindestens einer eine hatte, nämlich ganz offensichtlich auf seinem Schoß. Ich hatte immerhin eine Plastiktüte dabei (ich weiß, Schande über mich, in einem Land, wo Plastiktüten gesetzlich verboten sind…), die ihr dann geholfen hat, wieder halbwegs normal zu atmen. Wir hatten allerdings auch das Gefühl, dass sie zusätzlich noch psychische Probleme hatte, die vielleicht sogar den Asthma-Anfall ausgelöst haben. Sie hat z.B. sehr auf das zu laute Radio reagiert, so dass wir den Busfahrer nach einiger Diskussion dazu bringen konnten, es auszustellen. Aber ich bin ja kein Arzt und Erfahrung mit Asthma hab ich auch bis jetzt keine gravierenden gemacht… Nachdem sie dann auch noch meine Flasche Wasser geleert hatte, ging es ihr schon besser. Sie hat sich jedenfalls nach einer Weile beruhigt und hat die Fahrt nach Butare dann auch noch überstanden. War mal ein Erlebnis ganz anderer Art und interessant zu sehen, wie Leute in Ruanda mit ihren Mitmenschen umgehen…
So, jetzt ist es schon halb4 und ich hab immernoch nichts gearbeitet an diesem Wochenende!
Also angeblich bin ICH ja kerngesund. Meine Webseite hat der Arzt(gehilfe) natürlich nicht untersucht