Relativ kurzfristig war ich gestern Abend zu meinen Nachbarn, den Schillings, eingeladen worden. Ich hatte erst nicht so recht Lust, zumal die Einladung auch eher allgemein klang, dass ich ja mal auf ein Bier vorbeikommen könnte oder so. Nachdem mich dann aber auch andere Kollegen gefragt haben, ob ich denn abends zu den Schillings gehe, hab ich Irene gefragt, ob sie kommt und da sie zugesagt hat, hatte ich auch einen Grund hinzugehen. „Die Schillings“ sind Michele und Tim Schilling (mit drei sehr niedlichen, total unterschiedlichen Töchtern zwischen 4 und 10 glaub ich) und wohnen direkt nebenan in einem riesigen Haus, was Kurt einmal als „Palais Schilling“ vorgestellt hat. Ich denke, ich hatte es mal erwähnt. Jedenfalls ein absolutes Traumhaus! Schon von meinem Schlafzimmer aus hab ich gehört, dass da drüben nicht nur ein paar Leute gemütlich zusammensitzen. Und als Irene und ich nun zum „Palais Schilling“ kamen, haben wir fast den Mund nicht mehr zubekommen vor Staunen über etliche große Autos vor dem Haus und einem Bus in der Einfahrt. Und auch das Haus selbst war gefüllt von heiterem Trubel und etwa 100 Gästen, die offenbar alle etwas mit Kaffee zu tun hatten und aus aller Welt zusammen gekommen waren. Da waren Kaffeetester aus Asien, Europa und den USA (jedenfalls was offensichtlich war), außerdem sogenannte „Cupper“, die in Ruanda an den Washingstations arbeiten, Projektleiter und -mitarbeiter von SPREAD (dem Kaffeeprojekt), USAID, der Organisation „Cup of Excellence„und ein paar Leute vom CGIS, dazu noch Angehörige – ein echter Wahnsinn! Kurt meinte ein wenig lästernd, dass er gar nicht wusste, dass die Bevölkerung Ruandas zu 50% aus Musungus bestünde
Sie alle waren eingeladen, den Kaffee in Ruanda zu feiern. Anlass war die Durchführung (wenn man das so sagen kann) des „Cup of Excellence“ in Ruanda. Wenn ich das richtig verstanden habe, wird dabei der Kaffee probiert und getestet und bekommt ggf. eine Art Auszeichnung. Das könnt ihr ja nochmal auf der Seite nachlesen, falls euch das interessiert. Jedenfalls war ich gestern echt begeistert von dem Engagement und der Begeisterung, die die Leute an den Tag legen. Tim sagte, dass der Kaffee inzwischen 50% des BIP Ruandas ausmachen würde (wenn ich das richtig verstanden hab) und sich inzwischen von einem gewöhnlichen zu einem außergewöhnlichen Kaffee entwickelt hätte. Und offenbar kommt das direkt den Kaffeebauern zugute. Es war jedenfalls eine ganz tolle Stimmung mit unterhaltsamen Reden und einem Buffet, das zwei Köche in der Küche zusammengebrutzelt haben inkl. einem 30 Pfund Truthahn und Ziegen-Brochette, Bananen, Kartoffeln und Salaten. Die beiden haben danach auch wieder abgewaschen, die armen… Ich hab mich jedenfalls ordentlich geärgert, dass ich meine Kamera nicht dabei hatte, wäre mir aber auch blöd vorgekommen, deshalb nochmal rüber zu gehen. Allein die beiden älteren Töchter in ihren traditionellen Kleidern wären ein Foto wert gewesen. So wie ich es vermutlich in ihrer Situation auch gemacht hätte, haben sie Getränke serviert. Zu niedlich! Ich war jedenfalls froh, doch noch zur Party gegangen zu sein. Wie Michele so schön sagte, was soll man auch sonst abends in Butare tun…
Und dann will ich noch meine Freude über einen roten Apfel mit euch teilen
Ich hab gestern im La Source tatsächlich rote Äpfel entdeckt (eigentlich schon ein paar Tage vorher, aber da hatte ich kein Geld dabei oder gerade keine Zeit, weiß nicht mehr) und mir gleich mal zwei mitgenommen. Heute hab ich mich dann schon fast geärgert, dass ich nur zwei gekauft hab und werde nachher mal gucken, ob ich noch ein paar ergattern kann. Einen gab es nämlich heute zum Nachtisch und der war so dermaßen lecker, dass ich gerne noch ein paar hätte. Sonst gab es nämlich immer nur Granny Smith (vermutlich aus Süd Afrika) für teuer Geld. Ich weiß nicht, wo jetzt die roten Äpfel auf einmal herkommen, und sie kosten auch 200 RWF das Stück (25 cent, ist jetzt nicht die Welt, aber für das gleiche Geld bekommt man eine ganze Hand Bananen), aber lecker sind sie. Ich hatte zwar auch während meines Berlin-Aufenthaltes ein paar Äpfel gegessen, aber so richtig genießen wie den heute konnte ich die irgendwie nicht. So kann man sich über solche Kleinigkeiten freuen!
Schreibe einen Kommentar