Nachtrag

Wie schon angedeutet, hätte ich schon letztes Mal eigentlich so viel zu erzählen gehabt, aber bin noch nicht dazu gekommen, dass “zu Papier” zu bringen.
Unser Wochenende in Kibuye mit abschließendem kleinen Abenteuer mit Kurts Auto möchte ich euch dann nun aber doch nicht vorenthalten:

Nachdem uns alle anderen Alternativen zu umständlich oder zu teuer erschienen, hatten wir bereitwillig Kurts Angebot angenommen, mit seinem Auto nach Kibuye zu fahren. Nach kleinen Startschwierigkeiten, die aber nur auf Fehlkoordination einzelner Personen zurückzuführen sind, ging es dann recht zeitig am Samstag Morgen los nach Kibuye. Obwohl wir die Strecke in knapp drei Stunden geschafft haben und die Straße wirklich in einem super guten Zustand ist, waren wir ganz schön gerädert und freuten uns schon aufs Mittagessen mit Blick auf den See. Dieses wurde uns stimmungsmäßig etwas von einem Herrn verdorben, der meinte, mit uns darüber diskutieren (eigentlich nichtmal das, eher streiten) wollte, dass die USA die größten Umweltverschmutzer der Welt wären und dass die Amis schön zuhause bleiben sollten. Ich weiß nicht mehr, ob er es dann auf alle Musungu ausgedehnt hat, aber jedenfalls würde unsere Hilfe hier nicht gebraucht und Ruanda würde auch gut ohne uns auskommen. Keiner von uns hatte wirklich Lust darüber zu diskutieren und nachdem er uns nicht in Ruhe lassen wollte, hat sich John beim Manager beschwert. Der Typ wollte aber sowieso dann gerade gehen, so dass wir nicht wirklich austesten konnten, ob der Manager was gemacht hätte.
Wir hatten Zimmer im Zentrum Bethanie reserviert, die wir dann nach dem Essen auch beziehen konnten. Leider hab ich vergessen, Fotos vom Zimmer zu machen. Das hätte sich in diesem Fall was das Zimmer selbst angeht nicht so richtig gelohnt, aber der Schimmel an der Wand wäre schon ein Foto wert gewesen. Sorry. Nachmittags haben wir uns dann eine Bootstour auf dem Kivusee gegönnt. War richtig wie Urlaub :) Wir hatten zwar gehofft, auf eine Insel fahren zu können, wo wir vielleicht noch etwas Strand hätten finden können, aber der einzige Strand, der uns angeboten wurde, war auf der Friedensinsel (konnte uns auch keiner erklären warum die so heißt) und nur mit Zahlung von 500 oder 1000 Francs zu benutzen – das war es uns dann doch nicht wert. Irene, John und Tim sind dann nach der Bootsfahrt noch vom Bethanie aus ins Wasser gehoppst, Mandy hat sich geweigert und ich hab meine Runde Schwimmen auf Sonntag vertagt, weil die Sonne schon nicht mehr so richtig warm war. Dafür hat sie uns aber einen schönen Sonnenuntergang geliefert.

Bootstour auf dem Lake Kivu Sonnenuntergang Lake Kivu meine Sonnenbrille
Am Sonntag haben Irene und ich uns auf den Weg zur Kirche gemacht. Irene ist zwar griechisch-orthodox, aber unser Reiseführer hat von der tollen Stimmung bei den Gottesdiensten geschwärmt, so dass wir das beide mal testen wollten. Zumal wir schon recht zeitig wach waren und Kibuye jetzt auch nicht sooo viele Atraktionen zu bieten hat. Leider konnte uns keiner so recht Auskunft geben, wann denn ein Gottesdienst in der Kirche stattfindet, so dass wir uns auf gut Glück auf den Weg gemacht haben. Wir fanden die Kirche dann leer vor, aus der Gottesdienstordnung sind wir auch nicht schlau geworden (war halt auf Kinyarwanda), aber beim Verlassen der Kirche durch den Hinterausgang trafen wir ein paar Frauen in gleichen Kleidern, die sich gerade auf den Weg zum Gottesdienst machen wollten, der unten am See stattfinden sollte, weil es das Kirchweihfest war (wenn ich es richtig verstanden hab). So kamen wir gerade rechtzeitig zum Beginn des Gottesdienstes, der aber natürlich auch in Kinyarwanda gehalten wurde und damit nicht so richtig spannend. Beinahe hätte ich aber meine Sonnenbrille opfern müssen. Wir haben nämlich mehr oder weniger Bekanntschaft mit einem kleinen Jungen gemacht, als wir da so auf der Wiese saßen, der auf mich zukam und mir die Sonnenbrille von der Nase nahm und sich selbst aufsetzte. Er wollte sie auch gar nicht mehr abgeben, und wollte dann Irenes haben, als ich sie ihm dann doch abgenommen hatte. Hat ihm aber nichts genutzt. Aber im Gegensatz zu vielen Kindern die ich kenne, hat er nicht angefangen zu plärren oder rumzubocken.
Zum Mittagessen und abschließendem Chillen sind wir dann ins Moriah Hill Resort umgezogen, auch in der Hoffnung auf etwas besseres Essen, die auch erfüllt wurde. Das Fischbrochette ist dort wesentlich besser als im Bethanie, wo es das Filet aufgerollt und fritiert am Spieß gibt. Nicht besonders lecker…
Da wir vor der Dunkelheit in Butare sein wollten, machten wir uns rechtzeitig auf den Weg. Vorsichtshalber wollten wir noch “ein bisschen” tanken und sagten dem Tankwart 15.000 (auf englisch), was er aber entweder gar nicht oder falsch verstanden hat. Als er schon bei 30.000 war, hab ich ihn aufgefordert, aufzuhören, was dann aber immernoch 3 weitere Tausender gedauert hat, bis er es kapiert hat. Naja, so konnten wir uns bei Kurt wenigstens ein bisschen für das Ausleihen des Wagens revangieren haben wir gedacht. Etwa 10 km vor Gitarama blieb dann der Wagen auf einmal stehen. Im Nu hatten wir eine Horde Leute um uns rum, die auch nach Einbruch der Dunkelheit nicht von unserer Seite weichen wollten. Eines der ersten Autos, die anhielten, war das von Claudias Freundin Pia, bei der ich momentan auch unterkommen kann, wenn ich in Kigali bin. Watn Zufall :) Sie konnte uns aber nur anbieten, einen von uns mit nach Gitarama zu nehmen, um dann dort einen Minibus zu organisieren. Das war uns dann aber irgendwie nichts, zumal wir den Wagen da auch nicht einfach so stehen lassen wollten. Also hab ich weiterhin versucht, Kurt zu erreichen, während Irene ein Auto von Spread organisieren konnte.

Autopanne mit Publikum

Zwischendurch kam dann auch noch ein Polizeiauto vorbei, das auch noch angehalten hat. Der freundliche Beamte hat uns dann geholfen, ein Motorradtaxi in die Stadt zu schicken, um einen Mechaniker zu holen, und hat uns auch geraten, einen Wächter für das Auto zu engagieren. Etwa zweieinhalb Stunden nach unserem Stranden kam dann auch endlich der Mechaniker aus Gitarama und kurz darauf dann auch das Spreadauto. Das WM-Finale hatte ich schon fast aufgegeben. Nachdem wir den Mechaniker, der nichts finden konnte, davon überzeugt haben, dass es eine Frechheit ist, 20.000 Francs für nichts zu verlangen und er sich mit 5000 zufrieden gab, haben wir es dann doch noch zum WM-Finale zu Kurt geschafft, wo ich mit meiner Ausstattung leider auch nicht dazu beitragen konnte, dass Deutschland gewinnt. Norbert meinte zwar schon, meinem Strahlen nach zu urteilen, waere das Foto vor dem Spiel aufgenommen worden, ist es aber nicht. War vermutlich die Freude, es ueberhaupt gesehen zu haben, die mir da aus dem Gesicht strahlt.

Tim und Nicole die fast-Weltmeister

2 Responses to “Nachtrag”

  1. 1
    andré Says:

    für’s nächste mal: die einfachste lösung ein volles aber fahrunfähiges auto zu bewegen ist … abschleppen. geht mit jedem anderen auto und auch über 50km wenn’s sein muss (ist sogar in deutschland erlaubt!…)

  2. 2
    Katl Says:

    Liebe Deutschland-Fans: Ich habe auch gestrahlt! Zwar wurde ich von meinen Chefs dafür “gerügt” so wenig Vaterlandsliebe zu zeigen, aber nach meinem Tipp, dass Spanien 3:2 gegen Deutschlang gewinnen würde, konnte ich mir ein breites Grinsen bei dem erzielten 2:1 doch nicht verkneifen. Hat mir immerhin den dritten Platz beim Tippspiel beschert (zusammen mit einem meiner Chefs).
    Liebe Sis, ich bin gerade in Tübingen. Mein Hotel-Zimmer ist soooo cool! Elektrischer Kamin, darüber Plasma-/Flachbildfernseher, davor helle Leder-Sitzgruppe. Doppelbett. Zimmer in weiß/grün gehalten. Tolles Bad… Schade, dass ich hier nicht länger bleiben kann… Ich denke viel an Dich – fühl dich gedrückt!!! Schön, dass du bald kommst!
    Katl

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