Nach einem frühen Frühstück mit Claudia, die ja schließlich keinen Urlaub hat, habe ich mich heute schon zeitig voller Tatendrang an meinen Rechner gesetzt. Schließlich hab ich gestern auch schon nix gemacht, da wollte ich heute ein bisschen was schaffen. Dummerweise gab dann die Graphikkarte meines (Dienst-)Laptops den Geist auf, färbte meinen Bildschirm erst gelb, dann tiefschwarz und verweigert seit dem überwiegend die Arbeit, was das Arbeiten am Laptop zurzeit unmöglich macht. Sch…! Also hab ich erstmal alle IT-people angerufen, die ich hier so kenne. Sraith hat mal schnell gegoogelt und jemanden gefragt und wunderte sich, dass es da keine Errormeldung vorher gab, schloss aber spontan, dass es ein Fehler im Betriebssystem sei. Glaubte ich eigentlich nicht, dazu war dieser gelbgefärbte Bildschirm zu suspekt. Ich dachte eher an einen Kabelbruch oder sowas und wollte die Hoffnung so schnell nicht aufgeben. Der nächste Fachkundige, den ich kenne, sitzt bei PNILP und hat kurzerhand einen Bekannten angerufen, der sich dann auch spontan mit mir bei PNILP im Büro getroffen hat. Aufgeschraubt, reingeguckt, ein bisschen am Kabel gerüttelt: da wird wohl das Kabel kaputt sein. Sag ich doch… Hm, na versuchen wir es mal mit einem anderen Bildschirm. Bildschirm angeschlossen, immerhin ein Bild, aber mit sehr seltsamen Muster und an der Auflösung ließ sich auch nichts machen – wird wohl doch eher an der Graphikkarte liegen. Wieder an ein paar Kabeln gerüttelt, hier und da noch an einem Stecker gezogen und wieder angesteckt – keine Veränderung. Nochmal anderen Bildschirm probiert – auch kein Erfolg. Nochmal Graphikkarte angeguckt: schade auch, Graphikkarte on board (nicht auf dem Surfbrett oder dem Flugzeug sondern auf dem Motherboard). Heißt: lässt sich nur inkl. Motherboard austauschen, das man dann aber auch erstmal passend haben muss. Das könnte etwas schwierig werden in Ruanda. NAAAA TOLLLLL!!!!! Warum jetzt, warum hier, warum mir????? Beste Lösung, die uns einfiel: jemanden finden, der den gleichen Laptop hat wie ich und ihn gerade nicht braucht und ihn mir statt dessen ausleihen könnte, so dass ich einfach meine Festplatte dort reinpacken und dort weitermachen könnte, wo ich angefangen hab. Das wird wohl meine Aufgabe für diese Woche sein…
Das war also der heutige Vormittag (was sich auch noch auf einen mittleren Nervenzusammenbruch am Abend auswirkte, aber davon will ich jetzt mal nicht reden, sonst folgt gleich der nächste…). Mittags bin ich mit einem Freund von Robert (Godfrey) in Roberts Auto nach Butare gefahren, um endlich mal meine 70 Sachen bei Irene abzuholen, die ich dort seiner meiner Ausreise vor über einem Jahr untergestellt hatte – in der leisen Hoffnung, bald wieder da zu sein und dann nicht alles neu kaufen zu wollen. Das mit dem „bald wieder da“ hat ja nun leider nicht so ganz geklappt, aber Robert, der eigentlich den Auftrag hatte, meinen Krempel in Butare abzuholen, hat es echt in dem ganzen Jahr nicht geschafft, bei Irene aufzukreuzen und das Zeug in sein Auto zu laden. Männer… Und da ich am Donnerstag mit Robert in sein Haus in Ruhengeri fahren will und das meiste von meinem Kram dort gebraucht wird, hab ich mir nun den Luxus geleistet und bin mal schnell nach Butare gegurkt und hab alles abgeholt. Da war die Freude groß, als ich auch noch eine halbe Kiste Amstel Bock gefunden hab, die ich total vergessen hatte
Eine Portion Brownies mit selbstgemachtem Vanilleeis konnte ich bei Irene auch noch abstauben, so war der Tag wenigstens nicht ganz zum In-die-Tonne-treten. Auf dem Rückweg waren wir schon fast in Kigali angelangt, als der Tag noch verrückter wurde, als er eh schon war: Wir wollten gerade einen Bus überholen, als wir feststellten, dass dieser so langsam fuhr, weil ein offenbar geistig verwirrter Mensch mit weit ausgebreiteten Armen mitten auf der Straße lief. Godfrey hupte natürlich, was den verwirrten Menschen offenbar dazu getrieben hat, auf unsere Motorhaube zu springen, fast die Scheibenwischer abzureißen, aufs Dach zu klettern und dort rumzuhopsen. Nach einer gefühlten Ewigkeit kamen endlich ein paar Leute aus dem Dorf angerannt inkl. der Verkehrspolizei, die wir kurz vorher passiert hatten, und versuchten den Verrückten von unserem Autodach zu bekommen, der sich aber mit Händen und Füßen sträubte, mit dem Erfolg, dass er sogar noch die Halterung vom Dach abgerissen hat. Ganz zu schweigen von dem leicht lädierten Scheibenwischer und der Delle im Dach – und dem Schrecken, der Godfrey und mir ganz schön in den Knochen steckte. Wir waren aber froh, dass er wenigstens nicht die Scheibe eingetreten hat oder ähnliches, das wäre noch wesentlich schlimmer gewesen. So konnten wir wenigstens mit einem lediglich verdreckten Auto zurück nach Kigali fahren. Und Robert muss dann am Donnerstag, wenn er wiederkommt, erstmal sehen, wie schwer der Schaden ist. Achja, der Verkehrspolizist hat sich sehr freundlich bei mir für diesen Vorfall entschuldigt. Naja…
Ich hab inzwischen sogar schonmal meine Kisten und Koffer durchgeguckt und bin zu dem Ergebnis gekommen, dass das meiste tatsächlich bei Robert im Haus am besten aufgehoben ist. Meine Specksteinfigur aus Tansania und meine Holzskulptur aus dem Novotel sowie meine Küchenwaage und ein paar andere Kleinigkeiten kommen aber mit nach Berlin! Damit ist der kleinere Koffer dann auch schon fast wieder voll 
So, nun drückt mir mal die Daumen, dass der morgige Tag besser wird und ich eine Lösung für mein Laptop-Problem finde!